Cerealien – Fremdwort der Woche

Zuerst das Müsli in die Schüssel oder zuerst die Milch? Ganz ehrlich: Wen interessiert das? Wenn man sich im Internet allerdings so umschaut, scheint das eines der dringendsten Probleme des 21. Jahrhunderts zu sein. Und deshalb bin ich stolz, heute verkünden zu können, eine Lösung für dafür gefunden zu haben. Und die hat mit dem Wort „Cerealien“ zu tun.

Cerealien (oder von mir aus auch Zerealien, auch wenn das wirklich hässlich aussieht,) kommen von der Göttin Ceres. Ganz wörtlich sogar. Die war im alten Rom die Göttin des Ackerbaus, vor allem des Getreides. Cerealia im Lateinischen könnte man also übersetzen mit „Das, was zur Göttin Ceres gehört“. Und das war eben das Getreide. Auf vielen Darstellungen sieht man Ceres (griech. Demeter) mit einem Ährenkranz.

Dafür, dass Ceres das Getreide wachsen ließ, war sie übrigens hoch angesehen. Getreide galt als die Nahrung zivilisierter Völker. Caesar zum Beispiel beschreibt die Germanen als ein Volk, das vor allem Fleisch, Milch und Käse esse und keinen Ackerbau betreibe.1 Und das hat einen ganz einfachen Grund: Caesar will zeigen, dass die Germanen Wilde sind. Sie sind schlicht zu dumm und unorganisiert, um Ackerbau zu betreiben. Historisch ist das übrigens völlig falsch (wie so vieles bei Caesar). Die Germanen ernährten sich überwiegend vegetarisch und betrieben sehr wohl Ackerbau. 

Aber darum geht es nicht. Auch wenn die meisten Menschen in der Antike sicher gerne Fleisch aßen, genoss Getreide einen ganz besonderen Ruf, weil es eine „unblutige Nahrung“ war, etwas für dessen Herstellung man „zivilisiert“ sein musste. Getreide hatte ein gewisses Prestige. Und dass man überhaupt Getreide hatte, hatte man Ceres zu verdanken.

Cerealien waren also in der Antike mit Ceres verbunden und damit auch mit dem Getreide und allem, was damit zu tun hat. Und die Bezeichnung hat sich bis heute erhalten. Zumindest im Englischen. Denn dass wir heute ab und an auch mal von Cerealien sprechen, ist eigentlich ein Anglizismus. Erst seit dem 20. Jahrhundert gibt es den Begriff im Deutschen und erst in den vergangenen Jahrzehnten wurde er ein wenig populärer. Die Älteren werden sich vielleicht erinnern, dass sie als Kinder die Werbung für Kinder Country gesehen haben und sich gefragt haben, was zur Hölle diese Cerealien sein sollen, die da drin sind. Und eure Eltern es auch nicht wussten.

Und jetzt zur Lösung des Cornflakes-Problems. Es gibt noch eine klitzekleine Bedingung dafür, dass das Ganze funktioniert. Aber hey, ihr könnt damit das ganze Internet befrieden. Also denkt mal drüber nach.

Ab jetzt dürfen alle ihr Müsli oder ihre Cornflakes nur noch mit Hafermilch aufgießen. Dann ist es nämlich egal, was ihr zuerst in die Schüssel tut. Die erste Zutat, die sich in der Schüssel befindet, werden immer Cerealien sein. Und die zweite auch. Also ab jetzt Cerealien mit Cerealien und das Problem ist gelöst.

Bitteschön. Sobald ich eine Lösung für den Klimawandel, Geschlechtergerechtigkeit oder den Pflegenotstand gefunden habe, melde ich mich wieder.

  1. Caesar: Der Gallische Krieg, VI, 21-22

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