Passion – Fremdwort der Woche

Viele Menschen haben eine Passion. Sei es Gitarre spielen oder Kochen oder Käferlarven aufziehen. Passionierte Menschen gehen mit Leidenschaft an die Sache ran. In den letzten Tagen stand auch wieder eine ganz spezielle Passion im Fokus: Die Passion Christi. Auch Jesus hatte eine Passion. Die hat weniger mit Leidenschaft zu tun als mit echtem Leiden. Es geht um das Sterben und den Tod Jesu. Woher kommt die Doppeldeutigkeit dieses Begriffs, der einerseits eine positiv angesehene Leidenschaft meinen kann und andererseits auch negativ konnotierten Schmerz und Tod?

Wir von Einfach Antike behaupten ja gerne, dass Latein unsere Passion ist. Und an der Stelle  in diesem Format überrascht es sicher nicht, wenn wir verraten, dass eurer aller Passionen lateinisch sind. Zumindest im Wortursprung. „Passion“ kommt von dem Verb pati (im Perfekt passus sum, was erklärt, woher das -ss- kommt), das „leiden“, „aushalten“, „zulassen“ bedeutet. Das Wort „passiv“ geht auf dasselbe Verb zurück. Jemand, der etwas erleidet bzw. zulässt, ohne selbst zu handeln, verhält sich passiv.

Damit ist zumindest schon einmal die Verbindung von „Passion“ mit Schmerz und dem Leidensweg Christi geklärt. Es ist die ursprüngliche Bedeutung des zugrunde liegenden Verbs pati. „Passion“ bedeutet in dem Zusammenhang keineswegs, dass Jesus gerne gestorben ist, weil es seine Leidenschaft war. Woher kommt dann aber die Bedeutung „Leidenschaft“?

Bis es wehtut 

Von pati wird später auch das Substantiv passio („Leiden“) gebildet. Dieses findet sich vermehrt seit der Spätantike und dann über das gesamte Mittelalter hinweg. Oft, aber nicht nur, im christlichen Kontext (s. o.). Zunächst geht es noch um ein konkretes körperliches Leiden und körperlichen Schmerz. Das ändert sich aber über die Jahrhunderte. Im Mittelalter geht es bei passio meistens um seelische Leiden und seelischen Schmerz. Das Ganze aber eher weniger im Sinne heute anerkannter psychischer Erkrankungen, sondern vor allem im Zusammenhang mit der Sache, die bei allem Positiven sehr wohl auch gewaltigen seelischen Schmerz hervorrufen kann: die Liebe.

In der Vorstellung dieser Zeit (und teilweise auch darüber hinaus) war die Liebe definitiv etwas, was einem (passiv) zustößt. Dabei kann Liebe dann auch dazu führen, dass sie bei dem oder der Betroffenen seelischen Schmerz auslöst. Auf einmal will man jemanden so sehr, dass es wehtut. Es entsteht ein Verlangen nach dieser Person. Daher kommt auch der sexuelle Aspekt, den das Wort „Passion“ (aber vor allem in anderen europäischen Sprachen) hat. Die englische und französische passion meinen durchaus auch sexuelles Verlangen.

Leidenschaft auf vielen Ebenen

Ins Deutsche kam die „Passion“ in der Bedeutung „Leidenschaft“ oder „Verlangen“ über das Französische. Im 17. Jahrhundert taucht sie gelegentlich auf, im 18. Jahrhundert ist sie das Hipster-Wort ihrer Zeit. Alle sind auf einmal „passioniert“ und sprechen über ihre „Passionen“. Das bedeutet aber nicht, dass in den deutschsprachigen Gebieten im 18. Jahrhundert auf einmal alle über Liebe und Leidenschaft gesprochen hätten. Im Deutschen bedeutet das Wort meistens nur „Engagement“ oder „Begeisterung“ – wenn auch eine besonders starke Begeisterung. 

Und so ist es mit dem Begriff auch heute noch. Menschen, die sich begeistert einer Sache widmen, haben eine Passion. Dass diese durchaus auch von einem Verlangen und einer Leidenschaft ausgelöst werden können und dass man Dinge tut, weil man sie so sehr will, dass es schmerzt, ist dabei aber nicht außen vor.

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