Mönch – Fremdwort der Woche

Bei Mönchen denken viele von uns vielleicht an kleine, fröhliche dicke Männer in einer braunen Kutte mit einem Fässchen unter dem Arm. In diesem Klischee, das man in Trickfilmen, Bildern oder den Logos von irgendwelchen Bierbrauereien findet, stehen Mönche für Geselligkeit und Lebensfreude. Das ist ziemlich paradox, wenn man sich den Ursprung des Wortes anschaut.

Wie der Mönch zum Bier kam

In einem Punkt ist das Klischee vom netten, lustigen Mönch nicht ganz falsch. Zum einen waren Klöster im Mittelalter durchaus regionale Zentren, in denen viel Leben herrschte. Inwiefern das moderne Bild von Klöstern als Orte der Stille und Besinnung historisch betrachtet nicht ganz vollständig ist, damit haben wir uns hier schon mal befasst. 

Zum anderen waren Klöster im Mittelalter auch wichtige Produktionsstätten, unter anderem für Bier. So erklärt sich, wie der Mönch zum Bier kam, beziehungsweise woher diese Verbindung kommt. Von da ist es dann auch nur noch ein kleiner gedanklicher Schritt zur Geselligkeit und Lebensfreude. Mag auch sein, dass das im Mittelalter bis in die frühe Neuzeit nicht ganz falsch war. Je nach Orden waren Mönche sicherlich mehr oder weniger gesellig und fröhlich. Das hat mit den Ursprüngen des Mönch-Daseins aber nichts zu tun.

Der Ursprung war die Einsamkeit

Das Wort „Mönch“ gelangte über das lateinische monachus schon sehr früh in die deutsche Sprache, was auch nicht verwunderlich ist, denn Mönche waren schon sehr früh Teil der christlichen Tradition. Aber das Wort stammt auch nicht aus dem Lateinischen, sondern aus dem Griechischen. 

Das unterstreicht, dass das Mönchtum ein sehr alter Bestandteil des Christentums ist, der schon in der christlichen Spätantike existierte. Es geht auf altgriechisch μοναχός (monachós) zurück. Man muss nicht Griechisch gelernt haben, um hier ein Wörtchen wiederzuerkennen, das wir auch aus ganz vielen anderen Fremdwörtern kennen, nämlich μόνος (mónos), was „einzeln“ oder „allein“ bedeutet. 

Das griechische Wort μοναχός (monachós) ist eine Ableitung davon und bedeutet „einzigartig“, aber auch „einsam“. Und das ist auch historisch der Kern des Mönchtums: Ursprünglich bezeichnete der Begriff eine Person, die einsam und zurückgezogen lebt, sich aus dem aktiven Leben zurückzieht und auf den Glauben konzentriert.

Die zwei Arten von Mönchen

Schon in der Antike, genauer beim Kirchenschriftsteller Hieronymus, finden sich aber schon Abstufungen dieses Lifestyles. Hieronymus unterschied Mönche, die allein lebten, entweder in der Nähe menschlicher Siedlungen oder zurückgezogen in Wäldern oder in der Wüste. Solche Personen kennen wir auch heute noch unter dem Begriff Eremiten, auch wenn wir den Begriff heute wohl eher nur noch übertragen verwenden. Personen, die sich aus religiösen Gründen in die Wildnis zurückziehen, sind wohl extrem selten geworden.

Daneben führte Hieronymus aber auch die Gruppe der so genannten Koinobiten (wörtlich ungefähr „Zusammenleber“). Das war die klösterliche Lebensform, die sich letztlich zahlenmäßig durchsetzte. Denn hier fanden sich Gruppen von Mönchen zusammen und bauten sich gemeinsam ein zurückgezogenes Leben auf. Und dafür gab es mit den Klöstern dann auch entsprechende Gebäude. 

Theorie und Realität

Wie schon erwähnt, entwickelten sich Klöster im Mittelalter schnell zu wirtschaftlichen Zentren. Entsprechend waren sie selten wirklich Orte der Ruhe und Kontemplation. Schon der Koran kritisiert, dass man im Christentum mit den Klöstern zwar eine interessante Idee hatte, aber das die Umsetzung in der Regel nicht funktioniert habe.1

Die Spuren dieser Aufweichung des ursprünglich strengen Lebensstils finden sich heute in den Bildern von lachenden Mönchen mit Bierfass unter dem Arm. Das hat tatsächlich gar nichts mehr mit einem „einsamen“ Lebensstil zu tun.

Aber andererseits hätte die mittelalterliche Gesellschaft sicher auch nicht so ohne weiteres funktionieren können, wenn Klöster tatsächlich abgeschiedene Orte des Rückzugs mit keinem oder fast keinem Kontakt zur Außenwelt gewesen wären. 

  1. Sure 57,27

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