„infantil“ ist eigentlich immer als Beleidigung gemeint. Vor allem Humor kann infantil sein. Aber auch Menschen insgesamt. Irgendwie so „kindisch“, das meint man damit meistens. Nicht ganz ernst zu nehmen und irgendwie auch nervig.
Platter Humor
Vor allem flacher oder platter Humor wird oft mit dem Wort „infantil“ verbunden. Aber was ist das eigentlich genau? Vielleicht gibt es auf diesem Planeten auch irgendwo „Humorforscher*innen“, die diese Frage etwas fachlicher beantworten können, aber die landläufige Meinung wäre vermutlich: Platter Humor ist ein Humor, den man mit 14 noch lustig fand, aber nicht mehr mit 35. Witze, die man schon tausendmal in der einen oder anderen Variante gehört hat, Humor, der sich auf einer sehr einfachen Ebene abspielt.
„infantil“ kann sich aber auch auf andere Bereiche beziehen. Aktivitäten zum Beispiel. Wenn eine 25jährige auf dem Spielplaz die Kinderrutsche benutzt und darin steckenbleibt. Das wäre eine infantile Aktion. Oder wenn eine Gruppe 40jähriger Freunde mit Bobby Cars ein Rennen im Garten veranstaltet.
Es geht also bei „infantil“ vor allem um einen Altersunterschied: ein Verhalten, das als nicht mehr altersangemessen empfunden wird. Und damit ist man ganz nah dran am Ursprung des Wortes.
Ein neutraler Ursprung
Dieser Ursprung ist aber zunächst mal neutral und gar nicht von sich aus mit einer Wertung verbunden. Das Wörtchen „infantil“ geht auf das lateinische infantilis zurück. Darin steckt wiederum das Wort infans – Kleinkind (oder Baby).
„Infantil“ bedeutet also zunächst mal „babyhaft“. Gut, das trifft auf die ganzen Beispiele von oben eher nicht zu. Babys nutzen keinen Fäkalhumor. Und auf einem Bobby Car sieht man sie auch selten. Dafür sind sie noch zu klein.
Das kann man aber unter „Übertreibung“ verbuchen. Man will halt sagen, dass ein Verhalten sehr kindisch ist und nimmt dafür die kindlichste Kindheitsstufe, die geht: Baby. Machen wir in anderen Kontexten ja schließlich auch: „Stell dich doch nicht so an wie ein Baby!“
Allgemeine Sprachlosigkeit
Das Wort hat aber auch was mit Sprachlosigkeit zu tun. Und das ist irgendwie ganz witzig im Kontext mit dem Humor. Also erst mal: Manchmal macht uns infantiles Verhalten schon auch sprachlos, aber das ist hier nicht gemeint. Das Wort an sich trägt die Sprachlosigkeit in sich.
„In-fans“ bedeutet nämlich wörtlich so viel wie „nicht sprechend“. Es ist also im Lateinischen das Wort, das man für kleine Kinder benutzt, die noch nicht sprechen können, eben Babys. Wenn man Humor also als infantil bezeichnet, trägt das eine gewisse Ironie in sich, denn eine infantile Person könnte gar keine Witze machen, weil ihr die Sprache fehlt. Aber wie gesagt: Wir haben es hier eh mit einer Übertreibung zu tun.
Reden wir ruhig weiter von infantilem Humor. Wer es absolut korrekt haben will, kann ja von „präpubertärem Humor“ oder „pubertärem Humor“ sprechen. Gleiches gilt natürlich auch für das Verhalten von Menschen. Klingt halt nur alles dann nicht mehr so geschmeidig, sondern eher ein bisschen technisch.


Schreibe einen Kommentar