Wer sich gerne mit ausgestorbenen Tieren beschäftigt, dem sagt der Name „Ammonit“ wahrscheinlich sofort etwas. Aber auch abseits der Paläontologie haben die Ammoniten eine ziemlich kuriose Geschichte zu bieten. Und das liegt an ihrer Namensgebung.
Für alle, die mit Fossilien jetzt nicht so viel am Hut haben, klären wir vielleicht erst mal kurz, was zum Henker überhaupt ein Ammonit ist.
Wer oder was sind Ammoniten?
Bei dieser Gruppe ausgestorbener Tiere handelte es sich um Meeresbewohner, nämlich Kopffüßer mit einem charakteristisch gewundenen Gehäuse. Sie gehören also in dieselbe Klasse wie heute noch lebende Tintenfische. Und es gibt auch heute noch eine Gruppe von Tieren, die den Ammoniten sehr ähnlich sieht: der Nautilus, auch Perlboot genannt.

Zwischen dem Nautilus auf der einen und der Gruppe der Ammoniten andererseits gibt es biologisch betrachtet deutliche Unterschiede, aber das lassen wir hier mal beiseite. Sie sehen sich auf jeden Fall ziemlich ähnlich.

Andrey Atuchin, CC BY-SA 4.0
Die Ammoniten traf jedoch am Ende der Kreidezeit dasselbe Schicksal wie die Dinosaurier: Sie starben aus, nicht aber, ohne der Wissenschaft einen enormen Dienst zu erweisen. Und dieser Dienst liegt in ihrer bloßen Existenz.
Da die Ammoniten so vielfältig waren und so zahlreich vorkamen, wurden ihre Überreste zu sehr wichtigen Leitfossilien.
Das bedeutet: Anhand des Vorkommens von Ammoniten-Fossilien können Sedimentschichten zuverlässig datiert werden. Auch wenn das im ersten Moment langweilig klingt: Für die Forschung sind solche Sachen von immenser Bedeutung.
Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb wir heute die Ammoniten mit einem Blogbeitrag würdigen. Denn auch ihre Namensgebung ist eine kuriose Geschichte.
Hörner eines Gottes
Versteinerte Ammoniten waren nämlich schon in der Antike bekannt. Nur konnte man sich auf die merkwürdig verdrehten Gehäuse keinen wirklichen Reim machen. Der römische Naturforscher Plinius der Ältere hielt sie für Hörner. Und das ist, bei einem Blick auf so einen versteinerten Ammoniten, auch kein Wunder:

Foto: Derschueler (CC BY-SA 3.0)
Die gewundene Form erinnert an einen Widder. Plinius bezeichnete diese Funde aber nicht nur als Widderhörner, sondern bewies etwas mehr Fantasie. Er bemühte eine Gottheit, um einen treffenden Namen zu finden: Ammon. Er nannte die Funde „ammonis cornua“, also „Hörner des Ammon“. Der wurde nämlich sehr häufig mit solchen Widderhörnern dargestellt.

Auch zu diesem Ammon kann man ein bisschen was erzählen. Denn das war die griechisch-römische Bezeichnung für den ägyptischen Gott Amun-Re. Wenn ihr euch jetzt am Kopf kratzt und euch fragt, wieso der Römer Plinius ausgerechnet eine ägyptische Gottheit bemühte – das ist schnell erklärt.
Zu Plinius’ Zeit bildete der gesamte Mittelmeerraum längst ein kulturelles Kontinuum. Ägyptische Gottheiten waren den Römern selbstverständlich bekannt. Und nicht nur das: Sie wurden auch gerne mal übernommen oder als fremdländische Erscheinungsform einer römischen Gottheit gedeutet.
Und so war es auch beim ägyptischen Gott Amun-Re. Der wurde unter dem Namen Jupiter-Ammon als eine weitere Erscheinungsform des Gottes Jupiter interpretiert. Dieses Phänomen nennt man wissenschaftlich etwas sperrig „Synkretismus“, und falls euch das näher interessiert, schaut hier mal rein:
Der Weg in die moderne Wissenschaft
Es ist allerdings überhaupt umstritten, ob Plinius mit seinen Ammonshörnern wirklich die Tiere meinte, die wir heute als Ammoniten bezeichnen. Vielleicht hatte er auch nur Fossilien irgendwelcher Schnecken entdeckt. Das können wir heute nicht mehr genau beurteilen.
Fest steht jedoch dass sich der deutsche Paläontologe Karl Alfred von Zittel 1884 an diese Stelle bei Plinius erinnerte, als er den Ammoniten erstmals benannte. Und angesichts der Größe, die einige Ammoniten erreichen konnten (bis zu 1,80m Schalendurchmesser) ist es auch durchaus angemessen, sie mit den gewaltigen Hörnern eines Gottes in Verbindung zu bringen.
So oder so haben die Ammoniten aber eine spannende Geschichte zu erzählen. Zum einen haben sie für die Forschung eine immense Bedeutung, zum anderen laden sie uns durch ihren Namen auch zu einem kleinen Streifzug durch die antike Mythologie und Religion ein.

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