In der letzten Woche haben wir mal einen Blick auf die Flora geworfen, aber die wird oft auch in einem Atemzug mit der Fauna genannt. Flora und Fauna – Pflanzen- und Tierwelt. Verständlich, denn das gehört ja auch eng zusammen. Und auch heute geht es wieder um eine Gottheit.
Wieder ziemlich vielfältig
Wie die Flora, ist auch die Fauna sehr vielfältig: Es gibt Fische, Vögel, Säugetiere, Reptilien… um jetzt nur mal die großen Gruppen zu nennen, die man in der Schule kennengelernt hat. Es gibt so viele Tierarten, dass man in der Biologie sogar mehrere Faunen unterscheidet, und zwar nach unterschiedlichen Kriterien.
Einmal kann man nach dem Lebensraum unterscheiden (Meeresfauna, Waldfauna und so weiter), aber auch nach biologischen Großgruppen. Da wäre dann zum Beispiel die Avifauna, die „Welt der Vögel“ oder die Herpetofauna, die „Welt der Reptilien und Amphibien“. Und dann gibt es noch die Unterscheidung nach Größe: die Mikrofauna mit sehr kleinen Tieren im Gegensatz zur Megafauna mit sehr großen Tieren. Und es gibt noch Stufen dazwischen.
Der Mensch und die Fauna
Dass wir Menschen zu Tieren ein etwas ambivalentes Verhältnis haben, brauchen wir hier wohl nicht auszubreiten. Auf der einen Seite lieben und vergöttern wir Tiere (Katzen, Hunde, Quokkas). Auf der anderen Seite gehen wir mit einigen ziemlich brutal um (Spinnen und Insekten) oder „nutzen“ sie (Schlachtvieh, Milchkühe und so weiter).
Manchmal wehrt sich die Fauna auch und schickt uns eine globale Pandemie, aber abgesehen von wenigen Ausnahmen gilt die Fauna für uns heute (vor allem hier in Mitteleuropa) kaum als bedrohlich. Das war in der Antike aber noch anders.
Ein gefährlicher Naturgott
In der Antike stellten Bären, Wölfe, Wildschweine, Schlangen oder auch Löwen durchaus eine Gefahr dar. Während ein Spaziergang durch den Wald heute als erholsam gilt, musste man in der Antike auf der Hut sein. Gut, nicht nur wegen der Tierwelt, sondern auch wegen Räubern und Wegelagerern. Homo homini lupus eben. Aber auch die Tierwelt wurde als etwas wahrgenommen, das gefährlich werden konnte.
Faunus war ein römischer Feld- und Waldgott, und in seiner Funktion ein bisschen vergleichbar mit dem griechischen Gott Pan. Beide waren ziemlich ambivalente Gottheiten und konnten gefährlich werden. Sie spiegeln also die menschliche Sicht auf die Tierwelt wieder.
Übrigens war es eine der ganz großen Sorgen vieler Menschen in der Antike, von Faunus (oder dem griechischen Pan) überfallen und vergewaltigt zu werden. Der Kerl strotzte offenbar nämlich von sexueller Begierde. Und es machte (nebenbei bemerkt) für ihn auch keinen Unterschied, ob sein Opfer männlich oder weiblich war.
Der Weg in die Wissenschaft
Trotzdem wurde Faunus in der Mythologie eine Frau zur Seite gestellt, die man ganz kreativ Fauna nannte. Und dieser Name wurde im späten 18. Jahrhundert als Gesamtbezeichnung für die Tierwelt verwendet. Ähnlich wie bei der Flora im letzten Fremdwort meinte man damit vor allem die „Tierwelt einer Region“. Das erste Werk mit einem solchen Titel stammt von Carl von Linné und trägt den Titel Fauna Suecica – Die schwedische Tierwelt (1746).
Das späte 18. Jahrhundert war eine Zeit, in der die Menschen allmählich die Angst vor der wilden ungezähmten Natur zu verlieren begannen. Aber manchmal gibt es auch heute noch die Momente, in denen wir feststellen, dass die Natur bedrohlich sein kann, und das durchaus auch in der Gestalt von Tieren. Heute sind es aber selten Wölfe oder Bären, die in Wäldern unschuldige Wanderer fressen. Obwohl auch das noch bisweilen vorkommt.
Auch heute noch bedrohlich
Die viel größere Bedrohungen sind winzig, nämlich Zoonosen, also Krankheiten, die vom Tier auf den Menschen überspringen. Sie sind eine direkte Folge unseres Umgangs mit der Tierwelt: der Zerstörung von Lebensräumen, der Massentierhaltung und des Handels mit Wildtieren. Und die Liste dieser Zoonosen wird immer länger: Die Spanische Grippe, Ebola, HIV, Covid…
Das sollte uns zu denken geben.


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