Man kennt Katakomben heute vor allem aus gruseligen Filmszenen: ein düsteres Gewölbe unter der Erde, voller Spinn- und Staubweben. Und in die Wände sind Fächer eingehauen, in denen die Gebeine von Personen liegen, die seit Jahrhunderten oder Jahrtausenden tot sind. Da stellt sich natürlich eine praktische Frage: Hat das nicht unfassbar gestunken, wenn man Tote einfach so in irgendwelche Regale im Keller gelegt hat? Und waren das nicht auch die heimliche Versammlungsorte der frühen Christen in Rom? Ziemlich morbide. Zeit, mit ein paar Missverständnissen aufzuräumen.
Nope. Keine Versammlungen unter der Erde
Fangen wir mit dem letzten Punkt an: Nein, die Katakomben in Rom waren keine frühen Versammlungsorte für Christen. Angeblich, so die moderne Legende, blieb den frühen Gläubigen aufgrund der Verfolgungen nichts anderes übrig, als sich in unterirdischen Gängen zu verstecken und dort auch ihre Messen zu zelebrieren.
Das ist aber nichts weiter als eine Legende. Der wirkliche Grund für die Katakomben in Rom ist aber ein ganz einfacher: Erdbestattungen waren in Rom innerhalb der Stadtmauern verboten. Feuerbestattungen kamen für Christen aber nicht in Frage. Also nutzten sie Kellergewölbe, um ihre Verstorbenen dort unterzubringen. Diese Gewölbe wurden mit der Zeit immer weiter ausgebaut und konnten beträchtliche Ausmaße erreichen.
Ein schwieriges Wort
Das Thema „Erdbestattungen“ bringt uns dann gleich auch zur Herkunft des Begriffs „Katakombe“. Vorweg: So ganz klar ist diese Herkunft nicht. Irgendwie scheint das Ganze griechisch zu sein, das legt zumindest der erste Teil „kata-“ nahe. κατά (katá) bedeutet „herab“ oder „hinunter“.
Der zweite Teil klingt ein bisschen wie lateinisch *cumbere, was so viel wie „sich legen“ bedeuten würde. Das Sternchen habe ich nicht ohne Grund davorgesetzt, denn das einfache Wort *cumbere kommt im Lateinischen gar nicht vor. Es gibt nur Zusammensetzungen wie decumbere „sich hinlegen“. Dann wäre eine Katakombe so was wie ein Ort, an dem man „sich hinunterlegt“. Klingt eher nach einem Schlafplatz als nach einem Grab.
Also ein Wort, das aus einen griechischen und einem lateinischen zusammengesetzt wurde? Schon ungewöhnlich. Und dann ist die zweite Komponente im Lateinischen so in der Form noch nicht mal belegt? Hm. Und die Bedeutung ist auch etwas schief, weil sich Tote selten selbst ins Grab legen.
Die mögliche Lösung?
Es gibt aber noch einen zweiten Erklärungsansatz. Und für den kann man auch auf Latein verzichten. Demnach besteht das Wort Katakombe aus griechisch κατά und τύμβος (tymbos, Grab). Ein „Niedergrab“ also? Nein, natürlich nicht.
Eine der bekanntesten Katakomben war die in einem Steinbruch außerhalb von Rom an der Via Appia. Wenn man da langläuft, kann man auf Altgriechisch sagen „κατὰ τύμβους“ (katá tymbous), „an den Gräbern (entlang)“. Das könnte durchaus zu einem festen Ausdruck für den gesamten Ort geworden sein. Eine Bestattung fand dann „an den Gräbern“ statt. Man besuchte verstorbene Verwandte „an den Gräbern“.
Ins Lateinische könnte dieser Ausdruck dann als cata tumbas übergegangen sein. Das aus dem „y“ ein „u“ wurde, ist weniger verwunderlich. Das passierte oft. Aber da gibt es noch zwei andere Probleme, an denen man sich aus sprachwissenschaftlicher Sicht die Zähne ausbeißt. Wie wird aus τύμβους (tymbous) plötzlich tumbas mit einem -a- hintendrin? Und überhaupt heißt es doch später Katakomben und nicht Katatomben.
Möglich wäre daher auch noch eine andere Herleitung, nämlich von κατὰ κύμβας (kata kymbas). Das würde etwa bedeuten „bei den Höhlen“ oder „bei den Tiefen“. Sprachlich käme das wesentlich besser hin, aber inhaltlich müsste man sich die Frage stellen, was genau mit diesen „Höhlen“ oder „Tiefen“ gemeint ist.
Wie eklig war das wirklich?
Sprachwissenschaft beiseite: Fest steht auf jeden Fall, dass diese Katakomben in der Antike für die Beisetzung von Verstorbenen genutzt wurden. Und da steht jetzt noch das zweite Missverständnis aus. Denn „Beisetzung“ heißt nicht, dass sie direkt nach dem Tod dort hingelegt wurden.
Wie schon erwähnt, wäre das ganz schön widerlich gewesen. Stellt euch vor, ihr legt eure Verstorbenen in den Keller und lasst sie da erst mal zu Suppe zerfließen. Die wenigsten von uns machen glücklicherweise diese Erfahrung, aber: Der Gestank einer menschlichen Leiche beim Verwesen ist nicht nur unerträglich, sondern auch durchdringend. Der zieht durchs ganze Haus.
Das war in der Antike nicht anders, und die Menschen damals hatten genauso empfindliche Nasen wie wir heute. Die Gebeine wurden erst nach der Verwesung dort beigesetzt. Mit anderen Worten: Verstorbene wurden zuerst außerhalb der Stadtmauern in einem Erdgrab beigesetzt und ihre Knochen dann deutlich später exhumiert und in einer Katakombe beigesetzt. Manche mögen auch das nicht besonders appetitlich finden, aber es ist zumindest wesentlich eher vertretbar, als eine komplette Leiche im Keller zu haben.


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