Australien – Fremdwort der Woche

Eigentlich kann man die Herkunft des Namens „Australien“ für den kleinsten Kontinent der Erde sehr schnell erklären. „Australis“ bedeutet auf Latein „südlich“ – und naja, Australien liegt im Süden der Südhalbkugel. Also eigentlich ein klarer Fall und man kann sich mit der Erklärung erst einmal zufrieden geben, da sie ja nicht falsch ist. Hinter dem Namen „Australien“ steckt aber sehr viel mehr.

Man kann neben dieser oberflächlichen Erklärung nämlich auch noch der Frage nachgehen, was ein Alexandriner und ein paar alte Römer eigentlich mit Australien zu tun hatten. Denn von ihnen, und nicht erst von den europäischen Seefahrern der Frühen Neuzeit, stammt der Name ursprünglich. Oder man kann sich fragen, ob wir nicht die Antarktis noch einmal umbenennen sollten. Denn eigentlich ist sie „Australien“, nicht nur dem Wortursprung nach, sondern auch forschungsgeschichtlich. Und zum Schluss ist auch noch die Frage offen, was Austria, also Österreich, eigentlich mit Australien zu tun hat.

Wie die alten Römer auf Australien kamen…

Viel Verwirrung also um einen an sich einfachen und einfach zu erklärenden Namen. Doch der Reihe nach, denn die Wurzel aller späteren Verwirrungen liegt wieder einmal in der Antike.

Welcher antike Gelehrte genau Australien zuerst ins Spiel brachte, ist nicht mehr nachzuvollziehen. Bereits Cicero (1. Jahrhundert v. Chr.) schreibt im Somnium Scipionis von einer terra australis, also einer (unbekannten) südlichen Landmasse. Auch der Kommentar des Macrobius (5. Jahrhundert n. Chr.) zu diesem Werk greift den Südkontinent wieder auf. 

Einflussreicher war aber der Alexandriner Claudius Ptolemaius (2. Jahrhundert n. Chr.) mit seiner Geographie. Darin beschreibt er Längen- und Breitengrade der damals bekannten Welt von den „Inseln der Seligen“ im Atlantik (möglicherweise die Kanaren, vielleicht aber auch Madeira oder die Azoren) bis nach China (allerdings nicht bis zum Pazifik). In Nord-Süd-Richtung erstreckt sich die Welt von den Shetland-Inseln bis an die ostafrikanische Küste über das Horn von Afrika hinaus. Dabei war ihm klar, dass er nur circa ein Viertel der Welt kannte.

Was also lag auf dem Rest? Hier kommt dann wieder Australien ins Spiel. Denn Claudius Ptolemaius ging davon aus, dass alle Meere der Welt von Landmassen umgeben sind – im Grunde so, wie er es vom Mittelmeer her kannte. Für ihn musste es also im Süden irgendeine Landbegrenzung geben, die Afrika und Indien miteinander verband, also den Indischen Ozean umschloss. Daher vermutete er dort einen gewaltigen Südkontinent.

Das deckte sich mit der antiken Vorstellung, dass die Erde in gewisser Weise „ausbalanciert“ war, dass also auf der Nordhalbkugel genauso viel Landmasse sein musste wie auf der Südhalbkugel. Dass das nicht der Fall ist, stellte sich erst vor relativ kurzer Zeit heraus.

„Australien“ ist eigentlich die Antarktis

Denn die Europäer*innen gingen nicht nur in der Antike, sondern auch noch im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit davon aus, dass dieser Südkontinent ja irgendwo sein musste. So einflussreich war die Theorie von der „ausbalancierten Erde“. Auf frühneuzeitlichen Karten ist im Süden oft eine riesige Landmasse eingezeichnet und mit terra australis incognita beschriftet, also mit „unbekannte südliche Landmasse“. Kein Mensch aus Europa war jemals dort gewesen, aber von seiner Existenz waren alle überzeugt.

Im 17. Jahrhundert glaubten dann mehrere Seefahrer den legendären Südkontinent gefunden zu haben. Sie lagen alle falsch. Folgenreich falsch lag der Niederländer Abel Tasman, der zu einer 1619 erstmals von Europäern gesichteten Küste aufbrach, die heute Westaustralien darstellt. Er vermutete dort den Südkontinent, der sich von der Westküste Australiens bis zum Südpol erstreckte, ja gewissermaßen schon erstrecken musste.

Als er 1642 zu einer Expedition aufbrach, sollte er unter anderem klären, ob man den Südkontinent endlich gefunden hatte. Mit seiner Umsegelung Australiens bewies er aber das Gegenteil: Dort war zwar eine große Landmasse, bis zum Pol reichte sie jedoch bei Weitem nicht. Der Name Australien für den neuen Kontinent begann aber bereits sich durchzusetzen, als Tasman 1644 zurückkehrte.

James Cook brach 1772 auf, um auf dem 60. Breitengrad Süd entlang zu segeln, einer äußerst schwer zu befahrenen Route. Er bewies dabei, dass Indischer und Atlantischer Ozean nicht voneinander getrennt waren, dass eine terra australis also möglicherweise gar nicht existierte. Die erste Sichtung der Antarktis erfolgte erst 1820. Man hatte die terra australis also endlich gefunden. Nur konnte man sie nicht mehr Australien nennen, denn der Name war ja bereits vergeben. Man nannte sie analog zur Arktis, der vereisten Region im Norden, also einfach Ant-Arktis, „Gegen-Arktis“. Forschungsgeschichtlich ist aber die Antarktis das eigentliche Australien.

Australien ist nicht Austria, auch nicht sprachgeschichtlich

Weitaus früher war den Europäer*innen natürlich das Land in den Alpen bekannt, das heute Österreich heißt. Dessen lateinischer Name Austria taucht erstmals 1147 auf. Naheliegend wäre es nun zu vermuten, dass dieser Name auch auf das lateinische Wort australis „südlich“ bzw. das dazugehörige Substantiv Auster „Süd(-wind)“ zurückgeht. Es sieht ja auch wirklich fast genauso aus und in den deutschsprachigen Gebieten liegt Österreich ja auch im Süden.

Der Bestandteil Öster- ist allerdings germanisch und geht zurück auf eine vermutete protogermanische Wurzel mit der Bedeutung „Osten“. Bereits im Althochdeutschen bedeutet austar- „östlich“. Die Form ist also schon sehr alt und sieht dem lateinischen Wort zum Verwechseln ähnlich, hat aber wirklich gar nichts damit zu tun.

Also, Australien ist im Süden, Austria im Osten. Nun ja, man hört auch selten Leute sagen, dass sie „Urlaub im Süden“ machen und damit Österreich meinen.

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