Meistens benutzen wir den Begriff „Halluzination“ eher scherzhaft im Alltag. Aber im Kern steckt dahinter ein ernsthaftes medizinisches Problem. Man könnte auch sagen: Eine Halluzination ist, wenn das Gehirn kreativ wird, obwohl niemand darum gebeten hat. Schlafentzug, hohes Fieber, aber auch eine psychische Erkrankung können für Halluzinationen sorgen. Und das ist eher unerwünscht, heute zumindest. In der Antike meinte der Begriff dagegen etwas völlig Harmloses.
Medizinisch spricht man von einer Halluzination bei einer Wahrnehmung, die keinen Ursprung hat, der physikalisch nachweisbar ist. Sinnestäuschungen kennen wir alle aus unserem Alltag. Sie kommen immer wieder vor. Problematisch werden sie dann, wenn sie andauern, einen Leidensdruck verursachen oder die eigene Prüfung der Realität beeinträchtigen. Oder wenn das eigene Gehirn so überzeugt von seiner Wahrnehmung ist, dass man diesen rationalen Erklärungen nicht mehr glauben will.
Das kann sich in bestimmten Fällen mit Wahnvorstellungen einhergehen. Eins muss man sich aber klarmachen: Für Menschen, die so etwas erleben, sind diese Wahrnehmungen absolut real. Es bringt wenig, sie ihnen abzusprechen. Man geht damit lediglich auf Konfrontationskurs mit ihrer Realität. Und man muss jetzt kein Übermaß an Empathie besitzen, um zu erkennen, wie schwierig das ist.
Selbstverständlich kannte man auch schon in der Antike Formen von Sinnestäuschungen, Halluzinationen und auch Wahnvorstellungen. Das, was wir heute als Halluzination bezeichnen, konnte dabei durchaus auch erwünscht sein, zum Beispiel in kultischen Kontexten. Vor allem aber wurde solchen Phänomenen eine Bedeutung zugemessen. Man glaubte, dass da eine Gottheit am Werk war. Oder ein anderes übernatürliches Wesen. Halluzinationen in unserem modernen Verständnis waren also übernatürliche Erlebnisse, die einen Sinn hatten. Auch wenn der Mensch vielleicht oft nicht in der Lage war, diesen Sinn zu erkennen.
Wie gesagt: Hier sprechen wir über Phänomene, die wir heute als Halluzination bezeichnen würden. In der Antike meinte der Begriff „Halluzination“ aber etwas viel Harmloseres. Dahinter steckt das lateinische Verb (h)alucinari. Und das bedeutet erst mal „in Gedanken sein“, dann auch „sinnloses Zeug reden“ und schließlich „träumen“.
Das Wort meint einen Zustand, den wir als „gedankenverloren“ bezeichnen würden. Man ist im Kopf gerade ganz woanders. Das hat unter anderem zur Folge, dass man plötzlich merkwürdige Antworten gibt, wenn man angesprochen wird. Man redet also „sinnloses Zeug“. Das kennen wir alle, denn jede*r von uns war schon mal in einer solchen Situation.
Gemeint sind aber auch Gedanken, die man im Halbschlaf manchmal hat. Das wäre also die Komponente mit dem Traum, die ebenfalls im Wörtchen (h)alucinari steckt. Auch das können schon mal etwas absurde Dinge sein, über die man dann vielleicht besser auch einfach gar nicht mehr spricht.
Alles in allem meint „Halluzination“ im antiken Sinne eine Geistesabwesenheit, aber keine Fehlwahrnehmung. Diese Bedeutung hat es erst seit der Entwicklung der modernen Medizin bzw. Psychiatrie.
Übrigens wird der Begriff in der Medizin auch scharf abgegrenzt von der Illusion. Eine Halluzination liegt vor, wenn man eine Sache wahrnimmt, die gar nicht da ist. Eine Illusion im medizinischen Sinn liegt dagegen vor, wenn man eine Sache anders wahrnimmt als sie tatsächlich ist. Aber auch der Begriff „Illusion“ hat eine eigene Geschichte. Die könnt ihr gerne hier nachlesen.

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