„Lapidar“ bedeutet im Grunde genommen, dass man etwas kurz, bündig und nüchtern ausdrückt. Es lebt vor allem vom Kontrast, das heißt, wenn man Dinge kurz und knapp sagt, die meistens doch eher mit vielen Worten ausgedrückt würden. Die deutsche Sprache ist in gewisser Weise vielleicht sogar die Königin der lapidaren Ausdrucksweise. Wir haben nämlich da ein ganz besonderes Wort, das lapidarer gar nicht sein könnte.
Da kann man nichts machen
Lapidare Ausdrucksweisen leben, wie schon gesagt, vom Kontrast. Wenn man wochenlang für eine Klausur gebüffelt hat und doch gerade nur so bestanden hat, wäre ein „war halt Pech“ ein ziemlich lapidarer Kommentar.
Auch schön und gern verwendet: „Da kann man nichts machen.“ Die Welt steht in Flammen, überall Kriege, Konflikte und grassierender Irrsinn in der internationalen Politik. Aber ja, da kann man halt nichts machen. Was will man auch noch groß Worte verlieren? Im Grunde ist doch alles schon gesagt, nur vielleicht nicht von jedem.
Man spart sich mit einer lapidaren Ausdrucksweise also den Atem oder die Energie, zu einer Sache noch allzu viel zu sagen. Kommt auch besonders gut im beruflichen Kontext, wenn wieder mal das x-te Meeting zu einem Pseudoproblem angesetzt wurde, das man persönlich sowieso für irrelevant hält. Insofern sind lapidare Sätze und Ausdrücke so etwas wie die verbale Version eines Schulterzuckens.
Ist mir doch egal. Macht doch einfach. War doch alles abzusehen. Das sind alles Sätze, die man wunderbar als lapidare Kommentare für sich stehen lassen kann.
In Stein gemeißelt
Dass sich Leute mit ihren Äußerungen, Kommentaren oder verbalen Ausschweifungen gerne auch mal kurzfassen könnten, das wünschen wir uns sicher alle in der einen oder anderen Situation. Es gab aber auch mal Zeiten, in denen das tatsächlich auch zwingend nötig war. Also, sich kurzzufassen.
Und damit sind wir beim Ursprung des Wortes „lapidar“. Denn darin steckt das lateinische Wort lapis, was so viel wie „Stein“ bedeutet. Gut, manche lapidaren Sätze klingen je nach Kontext manchmal etwas… sagen wir mal… hart. Aber das ist nicht der Ursprung des Wortes „lapidar“.
Es kommt aus einem Bereich, der uns heute nicht mehr so geläufig ist, denn Steine waren über Jahrhundert auch ein wichtiger Beschreibstoff. Heute werden nur noch selten Steininschriften angefertigt, aber wenn, dann sind sie auch heute noch ziemlich kurz und knapp.
Und das ist der Ursprung des Wortes „lapidar“. In der Antike (und auch in späteren Jahrhunderten) wurden nicht nur Grabsteine beschriftet oder vereinzelt mal ein „Anno 1996“ in eine Hauswand gemeißelt. Auch Gesetzestexte, Dekrete, öffentliche Verlautbarungen und vieles mehr wurde auf Stein festgehalten.
Aber auch hier hielt man sich kurz, denn Steine sind eben nicht die angenehmsten Materialien, um darauf viel Text zu hinterlassen. Eine lapidare Ausdrucksweise war somit eine Ausdrucksweise, wie sie für Steininschriften üblich war: möglichst kurz, möglichst knapp und auf das Wesentliche konzentriert sowie bestenfalls noch pointiert.
Vom Ende der Welt
Dass wir den Begriff heute vor allem für ungewöhnlich knappe Kommentare und Ausdrücke verwenden, ist natürlich eine übertragene Bedeutung. Antike Inschriften umfassen oft mehr als einen einzelnen Satz à la „war halt Pech“. Man gönnte sich damals dann doch den Luxus, auch schon mal zusammenhängende Texte in Stein zu meißeln. Aber kurz und knapp und auf das wesentliche fokussiert waren sie trotzdem oft. So, wie heute unsere modernen lapidaren Ausdrucksweisen.
Und dann gibt es da noch das absolute lapidare Über-Wort. Ein Wort, um das das Deutsche von anderen Sprachen beneidet wird, weil es so kurz, so knapp, so lapidar ist und auch nur aus drei Buchstaben besteht. Und dieses Wort lautet: Tja.
In diesen drei Buchstaben kann so viel an Informationen stecken, so viel Emotion, so viel Inhalt. Wir wir aus bekannten Memes wissen, kann „tja“ eine angemessene Reaktion sein auf: den Weltuntergang, den Beginn eines Atomkriegs oder darauf, dass man kein Brot mehr im Haus hat. Es ist einfach unfassbar vielseitig. Und eben lapidar.


Schreibe einen Kommentar