Flora – Fremdwort der Woche

Das Wörtchen „Flora“ hat für die meisten von uns direkt einen positiven Klang. Gemeint ist damit die Pflanzenwelt, zum Beispiel einer bestimmten Region. Man kann von der „Flora der Tropen“ sprechen oder von unserer „heimischen Flora“. Wie gesagt, assoziieren die meisten Menschen mit der Pflanzenwelt viel Positives. Und deswegen mischt auch eine Göttin dabei mit. 

Naturverbundenheit – ein sehr deutsches Phänomen?

Das Internet hat mir gesagt, dass die Verbundenheit zur Natur, genauer zur Pflanzenwelt, ein ziemlich deutsches Phänomen ist. Lange Spaziergänge im Wald am Wochenende sind der Klassiker. Oder (falls regional verfügbar) spannende Entdeckungstouren durch ein benachbartes Moor, wahlweise auch die Berge oder das Watt. 

Ob das wirklich stimmt, was das Internet sagt, also dass das sehr „deutsch“ ist, darauf kommen wir zum Schluss noch mal kurz zurück. Sicherlich genießen aber auch in anderen Ländern viele Menschen den Kontakt zur Natur. Und die Pflanzenwelt spielt dabei eine große Rolle. 

„Flora“ als Fachbegriff

Der Begriff „Flora“ ist dabei ursprünglich ein Fachbegriff aus der Biologie und beschreibt die „Pflanzenwelt einer bestimmten Landschaft“. Und ja, die Pflanzenwelt hält viel Interessantes bereit, wenn man sich darauf einlässt. 

Aber die wenigsten Leute, die sonntags nachmittags in den Wald gehen, betreiben hobbymäßig biologische Studien. Für viele von uns ist es eher so, dass uns ein Waldspaziergang unser eigenes Unwissen unangenehm vor Augen führt: Ist das da eine Linde oder eine Eiche? Eigentlich sollte man so was doch wissen.

Gut, eine Linde und eine Eiche können wohl dann doch die meisten von uns noch einigermaßen auseinanderhalten. Aber die Flora umfasst ja noch viel mehr als Bäume: Blumen, Farne, Gräser, Moose… Die Flora ist vielfältig. Und ohne Flora wäre unsere Welt ganz schön trostlos. 

Der göttliche Ursprung des Begriffs

Das war auch schon den Menschen in der Antike bewusst. Ein besonderes Feature antiker Religion waren unter anderem die vielen so genannten Vegetationsgottheiten, zu denen auch „Flora“ zählte. 

Angeblich wurde diese Göttin vom sabinischen König Titus Tatius in Rom eingeführt. Wenn man dahinter einen historischen Kern vermutet, dann wäre das irgendwann im 8. Jahrhundert vor Christus gewesen. Aber das sei jetzt mal dahingestellt. 

Fest steht, dass Flora heute eine halbwegs unbekannte römische Göttin ist, aber im römischen Alltag durchaus eine Rolle spielte. Sie wurde sogar durch ein eigenes Fest im Frühjahr verehrt. Das passt, denn das Frühjahr ist ja die Zeit, in der die Flora (jetzt biologisch gemeint) aufblüht. Man schmückte das eigene Haus bei diesem Fest mit Blumen, Frauen kleideten sich bunt, es gab private Festessen. 

Und heute?

Eigentlich ein schöner Gedanke, so ein Festtag für die Vegetation um uns herum. Man könnte entgegnen, dass wir die Flora heute auf unsere eigene Weise ehren: Es gibt den Baum des Jahres (dieses Jahr übrigens die Eberesche), die Blume des Jahres (gewöhnliche Grasnelke), die Wildpflanze des Jahres, ja sogar den Strauch des Jahres. 

Schade ist nur, dass das kaum jemand mitbekommt und kaum jemand beachtet. Oder könnte jemand von euch spontan sagen, welche die Arzneipflanze des Jahres 2026 ist? Bevor ihr googlet: Es ist die (echte) Kamille. 

Das ist aber nicht alles, und das ist vielleicht doch ein kulturell typisch deutsches Ding. Wälder gelten als wichtiger Teil der Kulturlandschaft. Abholzung, Waldsterben – das sind Dinge, die durchaus öffentlich diskutiert werden. Dazu kommen Kleingärten, Vorgärten, gepflegte Parks und Friedhöfe. Es scheint schon so zu sein, dass die Pflege, Gestaltung und der Schutz der Vegetation hierzulande stark als gesellschaftliche Aufgabe verstanden wird. Und das ist doch mal was Schönes. 

Schlagwörter:

Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert