Therapien sind aus unserer heutigen Welt nicht mehr wegzudenken. Ohne weitere Kontext denken wir bei dem Wort meist sofort an eine Psychotherapie. Im medizinischen Bereich wird der Begriff aber auch oft weiter gefasst und für viele Arten von Behandlungen verwendet. Das ist aber nur ein Bruchteil der ursprünglichen Bedeutung.
Verräterische Schreibung
Das „th“ am Anfang ist sicher verräterisch beim Wort „Therapie“. Es legt direkt seinen Ursprung aus dem Altgriechischen nah, und genau so ist es auch. Unser modernes Fremdwort „Therapie“ geht auf das griechische θεραπεία (therapeía) zurück.
Die spätantike Aussprache des Wortes hat dann dafür gesorgt, dass aus dem -ei- am Ende ein langes -i- wurde: therapia, so findet sich das Wort dann in lateinischen Texten.
Und das Wort war in der Antike ziemlich breit angelegt von seinem Bedeutungsspektrum her. Es bedeutet nämlich einfach nur „Dienst“. Das kann alles mögliche umfassen. Sehr oft findet sich der Begriff θεραπεία (therapeía) im Zusammenhang mit dem Dienst an Gottheiten. Gemeint sind damit also religiöse Verpflichtungen, die man erfüllte, wie zum Beispiel Opfergaben. Aber auch allgemein das Verehren einer Gottheit, mit oder ohne Opfer.
Der Begriff kommt auch im Zusammenhang mit der Landwirtschaft vor. Auch Pflanzen oder Tiere können einen „Dienst“ erhalten. Selten aber, und hauptsächlich in der frühen griechischen Literatur, wird der Begriff auch für einen Dienst „am Menschen“ verwendet, also in dem Sinne, dass man jemandem einen Dienst erweist.
Therapien in der Medizin
Eine spezielle Bedeutung des Wortes ist aber auch schon in der Antike die aus dem medizinischen Bereich. Und da wurde es fast genau so verwendet, wie wir es auch heute in der Medizin benutzen: Jede Form der Behandlung konnte so bezeichnet werden.
Auch eine Operation konnte in der Antike als „Therapie“ bezeichnet werden. Das ist vielleicht ein kleiner Unterschied zu heute, denn heute meint man „Therapie“ oft ganzheitlicher. Der Begriff umfasst oft auch die Nachbereitung oder Nachbehandlung (falls erforderlich) und nicht nur die einzelne Operation.
Therapien in der Psychologie
Und dann gibt es noch den Bereich, den die Antike so nicht kannte: die Psychotherapie. Natürlich kannte man schon in allen Epochen auch seelische Erkrankungen. Schon der römische Philosoph Seneca wunderte sich darüber, dass man diese nicht so ernst nahm wie körperliche Erkrankungen, obwohl doch die menschliche Psyche wichtiger sein sollte als der Körper.
Das hat sich bis heute nicht geändert. Auch heute noch werden psychische Erkrankungen oft weniger ernst genommen, und das Wissen darüber steht immer noch hinter dem über körperliche Erkrankungen zurück.
Aber immerhin: Wir haben heute Psychiater, Psychologen und Psychotherapeuten. Die gab es alle in der Antike noch nicht. Insofern ist es auch kein Wunder, dass das griechische Wort θεραπεία (therapeía) in dieser Bedeutung in der Antike überhaupt nicht auftaucht.
In diesem Bereich sind wir also heute deutlich weiter als damals. Aber gemessen an Jahrtausenden, die seitdem vergangen sind, aber erstaunlicherweise immer noch nicht weit genug.


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