Pantomime – Fremdwort der Woche

Pantomimen sind heute eher selten geworden, obwohl es sich bei der Pantomime um echte Schauspielkunst handelt. Eine Person stellt etwas dar und beschränkt sich dabei auf Gestik und Mimik. Gesprochen wird nicht. Heute findet man so was noch ab und zu an Touristen-Hotspots, aber die Pantomime hat eine ziemlich lange Tradition hinter sich.

Ursprünge in Griechenland

Und diese Tradition reicht wirklich lange zurück, nämlich bis in die Antike. Das ist aber auch eigentlich gar nicht so verwunderlich, denn diese Epoche war ziemlich produktiv, was Schauspiel und schauspielerische Ausdrucksformen angeht. Einige davon haben das europäische Theater über die Jahrhunderte stark geprägt, andere sind dagegen in Vergessenheit geraten. Und das wäre der Pantomime fast auch passiert. 

Pantomimen gab es schon in Griechenland, und auch wenn die genauen Ursprünge im Dunkeln liegen, kann man wohl vermuten, dass sie sich hier auch entwickelte. Das Wort ist griechisch und setzt sich zusammen aus πᾶν (pân, mit dem Wortstamm παντ-, pant-) und μιμεῖν (mimeîn). Der erste Teil bedeutet „alles“ und der zweite „nachahmen“. Ein Pantomime ist eine Person, die „alles nachahmt“. 

Das ist aber im Grunde eine irreführende Bezeichnung. Auch ein Schauspieler in einem ganz normalen Theaterstück ahmt ja alles nach. Gemeint war mit dem „nachahmen“ im Fall der Pantomimen eher, dass etwas auf eine spezielle Weise nachgeahmt wurde, nämlich ausschließlich durch Bewegung, Gestik und Mimik. 

Komplexer als heute

In der Antike war die Pantomime stark mit dem Tanz verbunden, das heißt, pantomimische Darstellungen waren sehr rhythmisch. Wie alles, was mit Tanz verbunden war, galt das durchaus auch als anstößig. 

Um das zu verstehen, muss man sich klarmachen, dass die Pantomime in der Antike komplexer war als das, was wir heute darunter verstehen. Es ging nämlich vor allem darum, Emotionen und Gefühle durch Bewegung oder Tanz zum Ausdruck zu bringen. Dazu gehörte selbstverständlich auch Erotik.

Trotzdem oder gerade deswegen war die Pantomime eine äußerst beliebte Form der Unterhaltung, obwohl man in gehobenen Kreisen auf Pantomimen eher herabblickte und sie etwas anzüglich fand. Auch einige spätantike Kaiser praktizierten die Pantomime.

Namentlich waren das zum Beispiel Commodus oder Elagabal, denen die antiken Quellen enge Kontakte zu Schauspielern, Tänzern und Pantomimen nachsagten und auch, dass sie selbst tanzten und sich pantomimisch betätigten. So was gehörte sich aber für einen Kaiser absolut gar nicht. Und noch schlimmer war es, wenn das auch noch öffentlich bekannt wurde.

Und dann kam das Christentum. 

Der Niedergang der Pantomime

Man kann sich vorstellen, dass das Christentum mit dieser Ausdrucksform, die auch erotische oder sinnliche Darbietungen einschloss, dann noch mal zusätzlich gewisse Probleme hatte. Christliche Autoren sprachen sich vielfach gegen die Pantomime aus. Durch verschiedene gesetzliche Maßnahmen wurde diese Ausdrucksform im Laufe der Spätantike immer weiter behindert und eingeschränkt. Aber sie war nicht totzukriegen. Wir kennen noch aus dem 6. Jahrhundert ein paar Namen von berühmten Tänzern. 

Dass die Pantomime dann aber doch irgendwann „von der Bühne verschwand“ lag am Zusammenbruch des weströmischen Reichs. Im oströmischen Reich blieb sie weiter als Kunst- und Darstellungsform erhalten, aber aus mitteleuropäischer Perspektive zählte das nicht. 

So kommt es, dass die Entwicklung der neuzeitlichen Pantomime tatsächlich als eine Wiederentdeckung gilt. Das ist auch nicht ganz falsch, denn (wie gesagt) in Mitteleuropa war diese Form der Unterhaltung vergessen. 

Die Wiederentdeckung in der Neuzeit

Diese Wiederentdeckung verdanken wir der Renaissance und der „Commedia dell’Arte“, also einer Art Improvisationstheater dieser Zeit. Man berief sich dabei bewusst auf die Antike, allerdings wies die neue Pantomime deutliche Unterschiede zur antiken Form auf. 

Man könnte auch sagen, unsere heutige Pantomime ist im Vergleich ganz schön brav. Anzüglich oder sogar erotisch ist da eigentlich nichts. Und der Tanz war zwar anfangs (in der Renaissance) durchaus noch Teil von pantomimischen Darstellungen, fiel aber im Lauf der Entwicklung ebenfalls weg. 

Das hat aber sicher etwas damit zu tun, dass die Pantomime heute in der Regel auch nicht mehr in Form von formalisierten Darbietungen zu sehen ist (sprich: Theatervorstellungen). In unserer modernen Wahrnehmung gehört sie eher in die Fußgängerzone.

Und vielleicht in den Film. Pantomimische Elemente der Darstellung hatten in der Stummfilmzeit eine gewisse Bedeutung, und auch danach hatten sie, vor allem in komödiantischen Filmen, immer noch gelegentlich einen Platz in der Darstellung. 

Man könnte sagen: Die Pantomime als richtige Darstellungsform gibt es heute so nicht mehr, aber viele ihrer Elemente sind in anderen, zum Beispiel Filmen, aufgegangen.

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