Astronaut – Fremdwort der Woche

Für manche Menschen ist es ein Lebenstraum: einmal in den Weltraum zu reisen, vielleicht zum Mars, vielleicht aber auch ganz fremde Welten außerhalb unserer Galaxie zu erkunden. Grundsätzlich technisch möglich ist es heute, die Erde zu verlassen. Zu der Zeit, als der Begriff „Astronaut“ erstmals auftauchte, war die Menschheit aber noch weit davon entfernt. 

Und damit wird das „Fremdwort der Woche“ heute weniger ein Blick in die Antike, als vielmehr in die Neuzeit. Denn das Wort an sich ist recht schnell erklärt. Es setzt sich aus den beiden lateinischen Begriffen astrum für „Stern“ und nauta für „Seefahrer“ zusammen. Und damit bedeutet Astronaut wörtlich so etwas wie „Sternenfahrer“. 

Der Vollständigkeit halber: In einigen etymologischen Lexika findet sich auch die Angabe, dass es sich um ein griechisch-lateinisches Mischwort handelt. Das kommt daher, dass das lateinische Wort astrum (wahrscheinlich) seinerseits auf das griechische ἄστρον (astron) zurückggeht. Am Ende ist es unwichtig, ob Astronaut nun eine Zusammensetzung aus ἄστρον (astron) + nauta ist oder aus astrum + nauta

Ein Astronaut ist also ein Sternenfahrer. Die Analogie zur Seefahrt ist ja auch nicht ganz verkehrt. Wir sprechen auch von Raumschiffen. Sie docken an (und parken nicht einfach) oder legen ab (anstatt einfach nur loszufahren).

Schaut man sich einschlägige SciFi-Serien wie Star Trek an, herrscht auf den Schiffen auch eine Rangordnung wie auf einem Schiff. Es gibt einen Kapitän (oder, im Fall von Capt’n Janeway, eine Kapitänin) und er oder sie kommandiert von der Brücke aus. Und es gibt ein Logbuch, wie bei einem Schiff. 

Das alles kommt natürlich nicht von ungefähr. Die Seefahrt war für die ersten Menschen, die sich über so was Gedanken machten, eine sehr naheliegende Analogie. Aber die Raumfahrt hatte zudem gewissermaßen sprachliche Starthilfe. 

Erstmals vereinzelt tauchen Begriffe wie „Astronaut“ oder „astronautisch“ im Laufe des 19. Jahrhunderts auf. Das ist auch das Jahrhundert, in dem die Menschheit erste „Gehversuche“ im Bereich der Luftfahrt unternahm. Raumfahrt war damals noch unvorstellbar, aber mit einem Gefährt durch die Luft zu reisen, das wurde im Laufe des 19. Jahrhunderts schrittweise Realität. 

Und diese Versuche unternahm man nicht mit Flugzeugen, wie wir sie heute kennen. Selbst Segelflugzeuge tauchen erst ganz am Ende des 19. Jahrhunderts auf, Propellermaschinen ab 1903. 

Was die Menschen aber schon seit dem späten 18. Jahrhundert kannten, waren Heißluftballons. Mit den Gebrüdern Montgolfier beginnt im Jahr 1783 offiziell die Zeit der Luftfahrt. Wie man an ihrem Namen schon unschwer erkennen kann, befinden wir uns hier in Frankreich. 

Für die Personen, die einen Heißluftballon steuerten, etablierte sich bald der französische Begriff „aéronaute“, was so viel wie „Luftfahrer“ bedeutet. 

Nach diesem Vorbild wurde dann auch der Begriff „Astronaut“ gebildet. Der fand sich im 19. Jahrhundert aber wirklich vorerst nur in der Science-Fiction-Literatur. 

Man muss da unweigerlich an einen anderen Franzosen denken, nämlich Jules Verne. Der ist wohl bis heute der bekannteste SciFi-Autor aus dem 19. Jahrhundert. Sein Roman „Von der Erde zum Mond“ aus dem Jahr 1865 gilt als der „Urknall“ der Science-Fiction-Literatur. 

In der Realität sollte es noch bis in die 1950er-Jahre dauern, bis ein Flug ins All in greifbare Nähe rückte. Damals standen sich die USA und die Sowjetunion als Konkurrenten beim Wettlauf ins All gegenüber. 

Und das zeigt sich bis heute auch noch in Begrifflichkeiten, denn während man im Westen von „Astronauten“ sprach man in der Sowjetunion von „Kosmonauten“. Darin steckt das griechische κόσμος (kosmos), was unter anderem „Weltall“ bedeutet – also ein „Weltraumfahrer“. Und es ist auch präziser, denn zu einem anderen Stern, wie es der Begriff „Astronaut“ (Sternfahrer) suggeriert, ist bisher noch kein Mensch vorgedrungen. Wohl aber ins Weltall, also den Kosmos. 

Diese Unterscheidung hat sich übrigens bis heute nicht geändert. Auch im modernen Russland spricht man weiterhin von Kosmonauten. 

Dass man heute plant, tatsächlich sogar bis zum Mars zu fliegen, das hätten sich aber vermutlich auch die Menschen im 19. Jahrhundert schwer vorstellen können, trotz der blühenden Fantasie und dem festen Glauben an die Technik, der damals schon greifbar wurde. 

Und ob wir eines Tages sogar das Sonnensystem verlassen, wie in den vielen SciFi-Filmen, Serien und Büchern? Nun, wer weiß das schon. Aber eine Sache ist klar: Wenn wir fremde Sonnensysteme ins Visier nehmen, ist der Begriff „Astronaut“ („Sternenfahrer“) in seinem wörtlichen Sinn eigentlich erst wirklich passend. 

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