Das Wörtchen „Dosis“ verbindet man wohl in erster Linie mit Medizin, Arzneimitteln und Arztbesuchen, vielleicht auch Drogen. Aber es gibt auch übertragene Bedeutungen: Jemandem eine Dosis vom eigenen Gift verpassen, zum Beispiel. Oder sich nach einer Dosis Liebe zu sehnen. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes war aber noch breiter gefächert.
Von Geschenken und Gaben
Das altgriechische Wort δόσις (dósis) bedeutet wörtlich „Gabe“. Übrigens wird es im Altgriechischen mit einem kurzen -o- ausgesprochen, nicht mit einem langgezogenen, wie wir es heute tun. Das hat was damit zu tun, dass die deutsche Sprache dazu neigt, betonte Vokale zu längen. Aber das ist ein anderes Thema.
Eine Dosis ist im Altgriechischen also etwas, was gegeben wird. Und das kann natürlich erst mal ne ganze Menge sein und in ganz unterschiedlichen Kontexten passen. Wenn wir heute den Begriff „Gabe“ hören, denken wir erst mal an Almosen und Nächstenliebe. Aber das war mit dem altgriechischen Wort Dosis nicht gemeint.
Bei Homer bedeutet das Wort so viel wie „Geschenk“. Klar, es ist ja eine Gabe, also etwas, das man jemandem gibt. Das ist auch die häufigste Bedeutung, in der das Wort in der griechischen Literatur auftaucht.
Verschiedene Arten von Erben
Darüber hinaus gibt es aber noch eine ganze Menge speziellerer Bedeutungen. Bei den attischen Rednern (z. B. Isokrates) kann es auch „Erbe“ bedeuten. Ja, nachvollziehbar, denn auch ein Erbe ist etwas, was jemandem gegeben wird.
Wenn wir uns aber schon so rein-nerden und hier über Leute wie Isokrates reden, den heute keiner mehr kennt, dann können wir auch noch einen Schritt weitergehen: Wenn man ein Erbe als Dosis bezeichnete, dann war damit ein Erbe an eine nicht-verwandte Person gemeint. Nur dann wurde es als Gabe oder Geschenk verstanden. Ein Erbe an Verwandte war vorgeschrieben und damit kein „Geschenk“ mehr.
Ein Fachbegriff mit mehreren Facetten
Wenn wir schon bei Finanzen sind: Ein finanzieller Beitrag zu einem gemeinschaftlichen Projekt, die Rate bei einer Zahlung – auch das wurde als Dosis bezeichnet. Aber in dem Zusammenhang war das Wort ein Fachbegriff.
Und dazu passt natürlich auch seine Verwendung in der Medizin, auch schon in der Antike. Dass man mit einer „Dosis“ die Gabe eines Medikaments bezeichnete, ist gut belegt. Und nicht nur das: Genau wie heute bezeichnete man damit nicht nur allgemein das Geben an sich, sondern auch die konkrete Portion, die da verabreicht wurde.
Das ist die Bedeutung, in der das Wort bis heute in vielen modernen Sprachen weiterlebt. Eine Dosis ist heute eine definierte „Portion“ oder Menge eines Medikaments.
Etwas Esoterik zum Schluss
Es gibt da aber aus der Antike noch eine etwas exquisitere Bedeutung, die das Wörtchen δόσις (dósis) haben konnte. Und das ist eine, die uns heute eher fremd ist. Denn in der Vorstellung vieler Menschen der Antike wurde einem auch das persönliche Schicksal von den Göttinnen und Göttern zugeteilt, also gegeben.
So ist es wenig verwunderlich, dass δόσις (dósis) eben auch „Schicksal“ bedeuten kann. Beim Philosophen Plotin ist damit speziell sogar der Einfluss von Planetenkonstellationen auf das persönliche Leben und Schicksal gemeint.
Man sieht: Das Wort „Dosis“ war in der Antike ziemlich vielseitig, und auch wenn manche Aspekte seiner Bedeutung heute ungewöhnlich wirken, kann man sie doch ganz gut auf einen gemeinsamen Kern zurückführen.


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