fatal – Fremdwort der Woche

Wir können in fatalen Situationen stecken, fatale Entscheidungen treffen oder uns vor fatalen Folgen fürchten. All diese fatalen Dinge sind meistens nicht nur einschneidend, sondern vor allem eins: schicksalhaft.

Fatal geht zurück auf das lateinische Wort fatum, was „Schicksal“ bedeutet. Latein hält aber noch ein paar andere Wörter bereit, die in eine ähnliche Richtung gehen: fortuna („glückliche Fügung, Zufall“) oder sors („Los“). Von diesen allen ist das Fatum aber so etwas wie die mächtigste Schicksalsmacht.

Weil ich das gesagt habe…

Fatum selbst kommt von einem Verb (fari: sagen) und bedeutet streng genommen „das Gesagte“ oder „das Ausgesprochene“, denn bei einer fatalen Sache in der Antike handelt es sich um etwas, was die Göttinnen und Götter ausgesprochen und beschlossen haben und das damit unausweichlich ist. Das fatum ist ein Götterspruch. Und wenn die göttlichen Herrschaften im Olymp ihren Willen durchsetzen wollen, ist das für die Menschen eigentlich immer folgenreich, schwerwiegend und mindestens eine Nummer zu groß, um sich damit anzulegen. Einen Götterspruch können Menschen in den seltensten Fällen im vollen Ausmaß begreifen und noch weniger können sie etwas dagegen tun. Das zeigt sich auch heute noch in dem Begriff: In fatalen Situationen steht viel auf dem Spiel.

Darüber, wie wenig man gegen diese göttliche Schicksalsmacht tun kann, herrschte in der Antike übrigens keine Einigkeit. Am härtesten zogen das Konzept vom unausweichlichen Fatum wohl die stoischen Philosophen durch. Bei ihnen war schlicht alles fatal, d. h. vom Schicksal bzw. von der göttlichen Weltvernunft vorherbestimmt: der Ausgang großer Kriege ebenso wie morgens einen Apfel zu essen. Die Entscheidung darüber hatte das Schicksal ihrer Ansicht nach bereits getroffen, sie war damit fatal.

Das musste in der Antike übrigens nicht unbedingt etwas Schlechtes sein. Fatum ist wertfrei und kann positive wie negative Schicksalsereignisse meinen. Dass im Begriff „fatal“ auch oft etwas Negatives im Sinne von „Verderben bringend“ mitschwingt, ist eine spätere Entwicklung. Für einen Römer wäre eine femme fatale also nicht unbedingt verhängnisvoll gewesen. Es war nur unausweichliches Schicksal, dass er sie getroffen hatte.

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