Kokos – Fremdwort der Woche

Es gibt Früchte, die nicht das sind, was sie vorgeben zu sein. Die Tomate ist eine Beere und damit Obst und kein Gemüse. Die Erdbeere ist dafür keine Beere, sondern eine Sammelnussfrucht (was auch immer das sein soll) und die Kokosnuss ist keine Nuss. Die Herkunft des Wortes „Kokos“ ist da näher an der Wahrheit.

Gut, was die Einordnung als Nuss angeht, waren die Römer*innen auch auf dem falschen (noch nicht erfundenen) Dampfer unterwegs. Auf Latein heißt die Kokosnuss nämlich nux Indica, also „indische Nuss“. Dorther kommt die Kokosnuss nämlich ursprünglich auch. Also nichts mit Karibik und weißen Sandstränden und so. Dass sie heute dort zu finden ist. liegt allein am Menschen.

Die Kokosnuss war, wie gesagt, ursprünglich in Indonesien, Südostasien und auf dem indischen Subkontinent zu finden und damit gerade noch so am äußersten Rand dessen, was Griech*innen und Römer*innen als der östlichste Teil der Welt gerade noch bekannt war, nämlich Indien. Die Kokosnuss kannte man also in der antiken Welt schon, sie war im Mittelmeerraum aber selten. Es gibt Funde von Kokosnüssen, die um die Zeitenwende geerntet wurden, am römischen Hafen von Berenike in Ägypten am Roten Meer. 

Beliebt wurden sie im Römischen Reich allerdings nicht. Das mag auch daran gelegen haben, dass eine Fahrt von Indien ans Rote Meer und von da aus weiter nach Rom in der Antike mindestens vier Monate dauerte. Da waren die Kokosnüsse bei ihrer Ankunft bestimmt nicht mehr frisch. Und anbauen ließen sie sich im Mittelmeerraum auch nicht. Dafür war es dort nicht warm und nicht feucht genug.

geöffnete Kokosnuss
geöffnete Kokosnuss, Foto: Marie Gévaudan, CC BY-SA 4.0

Die Bezeichnung „Kokos“ ist trotzdem griechischen Ursprungs. Das griechische Wort kókkos (κόκκος) bedeutet einfach nur „Kern“. Und wenn man sich eine aufgeschlagene  Kokosnussfrucht mal im Ganzen ansieht, dann sieht man auch sehr schön, dass es sich gar nicht um eine Nuss handelt, sondern um eine Steinfrucht, deren Kern eben die von uns so bezeichnete Nuss ist. So ähnlich wie bei einer Aprikose, deren Kern man ohne die harte Schale übrigens auch essen kann.

Dass wir Kokos nur mit einem k in der Mitte schreiben, hat damit zu  tun, dass wir das Wort nicht direkt aus dem Griechischen übernommen haben. Es ist von dort zunächst ins Lateinische übertragen worden und von da ins Spanische, bevor es im Deutschen ankam. Dabei ist ein k verloren gegangen.

Also, eine Nuss ist die Kokosnuss zwar nicht. An dem Wortbestandteil Kokos ist aber nichts zu beanstanden.

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