Skrupel – Fremdwort der Woche

Wieder ein Wort, das man dauernd benutzt, bei dem man nicht so genau weiß, was es eigentlich bedeutet: Skrupel. Und auch nach Jahren des Lateinlernens, ist man vermutlich noch nie dieser entlegenen Vokabel begegnet. Und doch ist der Ursprung des Begriffes „Skrupel“ allen Menschen aus dem Alltag mehr als geläufig. 

Skrupel hat man irgendwie immer mal. „Meine Kollegin hat Urlaub, aber ich brauche diese eine blöde Datei. Soll ich sie anrufen?“ – „Also ich hätte da Skrupel. Versuch’s doch erst mal ohne.“

Umgekehrt möchte niemand als skrupellos angesehen werden. „Irgendwie hat deine Kollegin es aber auch verdient, dass du sie im Urlaub nervst. Überleg mal, wie skrupellos sie immer deine Arbeit als ihre verkauft.“

Aber nun versuch mal, einem kleinen Kind zu erklären, was Skrupel sind. Das ist eine echte Herausforderung. Moralische oder ethische Bedenken? Nun, mit der Erklärung macht man es bei einem Kind wohl eher noch schlimmer. Aber vielleicht hilft ein Bild, und zwar das Bild, ursprünglich mal hinter diesem Wort stand. 

Es stammt aus dem Lateinischen. Nun sind die Römer nicht gerade dafür bekannt, dass sie viele Skrupel hatten, wenn es zum Beispiel um die Sicherung ihrer Machtposition ging oder um die Unterwerfung fremder Völker. Allerdings muss man fairerweise erwähnen, dass sie auch die ersten waren, die Grundsätze formulierten, wann beispielsweise ein Krieg gerechtfertigt war. Sie kannten auch den Begriff „ius gentium“, also „Völkerrecht“, auch wenn die Ideen dahinter sicherlich nicht an unsere modernen Vorstellungen eines Völkerrechts herankommen. Aber immerhin. Und so passt es vielleicht doch, dass die Römer den Begriff Skrupel prägten. 

Scrupulus, so die lateinische Form des Wortes, bezeichnete ein kleines Steinchen. Wer sich nun fragt, was ein Stein mit Skrupeln zu tun hat, der sollte mal daran denken, wie unglaublich nervig ein solches Steinchen sein kann, wenn man es im Schuh hat. Und daran dachten auch die Römer bei diesem Begriff. Dieses Steinchen ist schmerzhaft und es nervt. Die meisten von uns versuchen erst einmal, damit zu leben und etwas langsamer und vorsichtiger weiterzugehen. Erst wenn es unerträglich wird, setzen wir uns hin, ziehen den Schuh aus und schütteln das Steinchen heraus. 

Genauso geht es uns, wenn wir Skrupel haben. Skrupel melden sich immer aus dem Hintergrund, und sie begleiten uns. Sie hindern uns daran, schnell weiterzumachen und etwas zu tun, was vielleicht aus gewissen Gründen falsch oder unangebracht wäre. 

Und was kann man tun, um Skrupel loszuwerden? Echte Skrupel wird man wohl nur schwer los, aber man kann sich in Ruhe hinsetzen und die Sache mal genauer durchdenken. Entweder stellt man fest, dass man eine Sache tatsächlich so nicht durchziehen sollte, oder man stellt fest, dass die Skrupel unnötig sind. In beiden fällen löst sich das Steinchen in Luft auf und wird durch eine überlegte Entscheidung ersetzt. 

„Ich hab die Kollegin übrigens angerufen. Ich hab mir dann überlegt, dass ich es halt nicht ändern kann. Ich muss weitermachen können. Und außerdem ist sie es ja selbst schuld, dass sie die Datei nicht ins zentrale System gelegt hat. Ich hätte da keine Skrupel haben müssen.“

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