Manifest – Fremdwort der Woche

Manifeste begegnen uns immer mal wieder, meistens im politischen Bereich. Aber es gibt auch künstlerische Manifeste oder literarische Manifeste. Und eigentlich müsste auch die Offenbarung des Johannes in der Bibel ein Manifest sein. Und vielleicht sind es auch die Aufräumtipps von Marie Kondo. 

Was genau ein Manifest ist, ist gar nicht so leicht zu erklären. Es handelt sich um eine Art öffentlich erklärtes Grundsatzprogramm, bei dem der eigene Standpunkt deutlich gemacht wird. Das bekannteste Manifest ist sicher das kommunistische Manifest von Karl Marx und Friedrich Engels, das in einer Zeit entstand, als Manifeste gerade in waren und gerne von Oppositionellen verfasst wurden.

Aber auch Herrschende verfassten Manifeste, ebenso Künstler*innen, die die Grundsätze und Ziele ihrer Arbeit offenbaren wollten. Welche Schrift im Einzelnen genau unter das Genre „Manifest“ fällt, dürfte nicht immer so leicht zu sagen sein. 

Alle Manifeste gehen aber zurück auf das lateinische Verb manifestare, was „sichtbar machen, offenbaren, zeigen“ bedeutet. Wer ein Manifest schreibt, will also die eigenen Grundsätze öffentlich sichtbar machen und den eigenen Standpunkt zu einem Thema öffentlich und deutlich aufzeigen. 

Nicht ganz klar ist übrigens, woher das Wort manifestare selbst kommt. Die Bedeutung des hinteren Wortteils -festare ist nicht geklärt. Der erste Teil geht zurück auf das lateinische Wort manus „Hand“. Etwas, was sich manifestiert, wird wortwörtlich „mit den Händen greifbar“. Themen, über die Manifeste geschrieben werden, wie zum Beispiel Politik oder Kunst, sind oft sehr abstrakt. Wenn man in seinem Manifest die eigenen Grundsätze darlegt, macht man sie greifbarer. Was nicht bedeuten soll, dass es sich dabei um eine besonders eingängige Literaturgattung handelt.

Manifeste scheinen heute wieder eher etwas aus der Mode gekommen zu sein. Das mag auch daran liegen, dass sie oft ernste und schwierige Themen behandeln und die meisten Leute sich wohl eher kein Buch für die Abendlektüre kaufen würden, das „Manifest“ auf dem Titel stehen hat. Es sei denn Marie Kondo erklärt uns ganz grundsätzlich, wie man seinen Kleiderschrank auf die einzig richtige Weise einräumt und warum man das ganz genau so tun sollte. 

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