Bus – Fremdwort der Woche

Busse sind ein sozialistisches Verkehrsmittel. Ja, wirklich. Jede*r kann jederzeit in einen Bus steigen und mittlerweile (dank der Fernbusse) auch ziemlich große Distanzen überwinden. Ja, gut, zugegeben: Das nötige Kleingeld ist Voraussetzung. Und ja, kommt auch drauf an, ob der Bus überhaupt fährt. Und ob er auch den vorgegebenen Linienweg fährt. Und wie voll er ist. Ok, ok. Ist ja schon gut. Busse sind Scheiße. Aber trotzdem: Dem Namen nach könnte man ein bisschen an die Erfüllung sozialistischer Träume denken. 

ÖPNV ist so ne Sache

Was soll man schon groß über Busse schreiben? Die deutsche Verkehrspolitik der letzten Jahrzehnte ist einfach völlig verkorkst. Man kann es den Öffis noch nicht mal verübeln, dass sie kein gutes Bild abliefern. Sie wurden über einen sehr langen Zeitpunkt sehr stiefmütterlich behandelt. Und daran ist nicht nur Andreas Scheuer schuld.

Busse sollen ja auch eine eierlegende Wollmilchsau sein. Haltestellen sollen möglichst an jeder Milchkanne existieren. Gleichzeitig sollen Busse aber auch schnell und zügig wichtige Verkehrsknotenpunkte verbinden. Sie sollen Pendler*innen abholen, aber gleichzeitig auch Schulkinder befördern. Sie sollen Jugendliche vom abendlichen Besuch im Club sicher nach Hause bringen und morgens die 80-jährige Hannelore zum Metzger fahren, um den Sonntagsbraten einzukaufen. Und sie sollen über halbwegs vertretbare Ticketpreise auch den sozialen Frieden sichern, indem sie einkommensschwächeren Menschen Teilhabe an der Mobilität ermöglichen. 

Das ist alles ganz schön viel auf einmal. Da muss man eigentlich schon sagen: Respekt, dass das überhaupt irgendwie funktioniert. Aber trotzdem gehört auch zur Wahrheit: Es gibt wohl wirklich niemanden, der*die von sich behauptet, gern mit dem Bus zu fahren.

Dabei ist die Grundidee genial. Das erkennen wir heute in Zeiten des Klimawandels wieder, nachdem es jahrzehntelang geflissentlich ignoriert wurde. Anstatt sich ein eigenes Kraftfahrzeug anzuschaffen, für das sich viele Menschen hoch verschulden, das hohe Folgekosten nach sich zieht und dann doch 90% der Zeit eigentlich nur rumsteht, fasst man einfach mehrere Menschen zusammen, die dasselbe oder ein ähnliches Ziel haben, und steckt sie in ein großes Fahrzeug. Der Bus ist halt für alle da. 

Ausflug in die lateinische Grammatik

Und das ist auch der Kern des Wortes. „Bus“ ist erst mal kurz für „Omnibus“. Diese antiquierte Bezeichnung trifft man ja auch heute noch gelegentlich an. Und dieses Wort wiederum ist wohl eine der am häufigsten genutzten Eselsbrücken im Lateinunterricht, wenn die Kinderchen das erste mal die so genannte „dritte Deklination“ kennenlernen. 

„Omnibus“ ist nämlich – grammatisch gesprochen – der Dativ Plural des Wortes „omnis“. „Omnis“ heißt „jede*r“. Die Mehrzahl davon („omnes“) heißt „alle“. Und damit bedeutet der Dativ Plural „omnibus“ so viel wie „für alle“. Der Omnibus ist also ein „(Verkehrsmittel) für alle“. Und das stimmt ja auch irgendwie. Alle können ihn benutzen, während ein Auto üblicherweise nur von der Person benutzt werden darf, der es gehört. 

Und trotzdem ist der Bus nicht die Erfüllung sozialistischer Träume. Die Beförderung kostet ja Geld, auch wenn an einigen Orten inzwischen der kostenlose Nahverkehr eingeführt wurde. Sofern man nicht aus verschiedenen Gründen zu reduzierten Preisen fahren kann, sind Busfahrten auf den ersten Blick auch nicht unbedingt günstig. 

Es gibt noch Luft nach oben

Klar, man müsste zum Vergleich mit dem eigenen Auto natürlich auch immer die Anschaffungskosten, die KfZ-Steuern, Versicherung, das Benzin und nötige Reparaturkosten mit einbeziehen. Es ist eigentlich eher ein psychologischer Effekt, dass man diese hohen Kosten nicht sieht, während man sich über die 90 Euro für ein Monatsticket der Preisstufe 2 beklagt. 

Aber das ist vermutlich eh nur ein Nebenkriegsschauplatz. Viel wichtiger wäre doch, dass Busse auch auf dem Land regelmäßig fahren, dass sie eine zügige Fahrt von A nach B ermöglichen und dass sie vor allem zuverlässiger werden. Dann könnten sie vielleicht doch noch ein Verkehrsmittel wirklich „für alle“ werden. 

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