Dämon – Fremdwort der Woche

Dämonen sind dienstbare Wesen aus den Tiefen der Hölle, befallen Menschen und ergreifen von ihnen Besitz. Das kennen wir aus zahlreichen Filmen. Auch wie man sie wieder los wird, wird uns dort vor Augen geführt: durch einen professionellen Exorzismus. Dabei sind Dämonen eigentlich viel älter als die katholische Kirche und mussten vor ihrer Entstehung eigentlich auch nie „ausgetrieben“ werden. Und das hat etwas damit zu tun, was das Wort „Dämon“ ursprünglich bedeutete.  

Ein kniffliger Begriff

Uff. Dämon also. Muss das wirklich sein? Muss ich dieses Fremdwort schreiben? So spannend das Thema sein mag, wenn man ein bisschen auf Horror und Okkultismus steht, so undankbar ist es als Fremdwort. Es sauber zu erklären, ist nicht ganz leicht. 

Erst mal zu den Fakten, an denen man sich gut festhalten kann: Das Wort „Dämon“ kommt vom altgriechischen δαίμων (daímon) und bedeutet… Ja. Ähm…

Es gibt einfach so ein paar Begriffe aus den antiken Sprachen, die man am besten ganz unübersetzt lässt. Am besten nähert man sich dem Wort wirklich erst mal ganz allgemein an. Es bezeichnet eine metaphysische Entität, also ein Wesen, das man nicht sehen kann. Bei Platon hat es den Rang von etwas Göttlichem.1 

Götter, Geister und… Dämonen

Das ist auch seine ursprüngliche Bedeutung: Ein δαίμων (daímon) ist in der älteren griechischen Literatur ein Gott, und zwar immer dann, wenn er nicht sichtbar ist. Wenn er eine konkrete Gestalt annimmt, dann ist es ein θεός (theós, wie in Theo-logie). 

Aber im klassischen Griechisch der Zeit Platons kann das Wort Vieles bedeuten: Es kann als „göttlicher Geist“ verstanden werden, aber auch als eine Macht, die das Schicksal der Menschen lenkt oder sie zumindest auf Schritt und Tritt begleitet, wie der römische genius. Und ein solcher Begleiter kann sowohl positiv wirken (wie ein Schutzengel), als auch negativ (wofür wir heute keine Entsprechung mehr kennen – vielleicht Karma?).

Dem Christentum war das suspekt

Dass die Dämonen eine negative Bedeutung erhielten, kam erst mit dem Christentum. Zum ersten Mal begegnen uns solche Dämonen im Sinne von „böse, übernatürliche Entitäten“ im Matthäus-Evangelium, wo sie darum bitten, in eine Schweineherde fahren zu dürfen. 

Genau genommen war diese Stelle aber vermutlich gar nicht so gruselig und bösartig gemeint, wie wir sie heute verstehen würden. Wie schon gesagt, bedeutete δαίμων (daímon) für die Griech*innen unter anderem auch einfach nur „Gott“. 

Für die frühen Christ*innen war die Sache daher klar: Ihre nicht-christlichen Zeitgenoss*innen wurden von ihren Göttern, die sie δαίμονες (daímones) nannten, in Besitz genommen und dazu gebracht, sie zu verehren. Immerhin kontrollierten diese δαίμονες (daímones) ihr Schicksal und sorgten für göttliche Eingebungen. Und um sich über dieses In-Besitz-Nehmen lustig zu machen, enthält das Matthäus-Evangelium diese kuriose Stelle, in der die Dämonen eine Schweineherde befallen. (Die sich danach übrigens ins Meer stürzt.) 

Dem Mittelalter war ein solches Verhalten dann erst so richtig suspekt. Wesen, die die Kontrolle über Menschen oder Tiere erlangen konnten? Das musste ein Werk des Teufels sein. So kam es, dass eine Textstelle, die eigentlich eher eine Polemik gegen den antiken Götterglauben sein sollte, im Mittelalter umgedeutet wurde. Und dieses Verständnis wirkt bis heute nach. In jedem zweiten Horrorfilm. 

  1. Wobei bei ihm häufig nicht von δαίμων (daímon) die Rede ist, sondern vom δαιμόνιον (daimónion). Aber das wird hier echt zu kompliziert.

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