Idol – Fremdwort der Woche

Auch Altertumswissenschaftler*innen beschäftigen sich gerne mit Idolen, allen voran die Archäolog*innen. Dabei geht es ihnen eher seltener um K-Pop-Bands, auch wenn die mit antiken Idolen Gemeinsamkeiten haben.

Ich glaube, ich habe mich hier schon mal darüber ausgelassen, dass ich das griechische Wort horáo (ὁράω) „sehen“ nicht mag. Das war beim Begriff „Autopsie“, wo der Wortbestandteil -opsie von horáo kommt. Und Überraschung aus irgendwelchen sprachwissenschaftlich bestimmt gut nachvollziehbaren Gründen geht das Wort „Idol“ auf den Stamm eid- (εἰδ-) zurück, was natürlich auch von horáo „sehen“ kommt. Sieht man ja. 

Sein Idol sehen

Warum geht es bei einem „Idol“ nun ums Sehen? Ein eidolon ist in der Antike ein Abbild, z. B. ein Gespenst. In Aischylos’ „Persern“ taucht z. B. das eidolon Dareiou auf, also der sichtbare Geist des toten Dareios. Es handelt sich also um eine übernatürliche, für Menschen sichtbare Erscheinung.

Auch in der Relgion spielten eidola dann eine gewisse Rolle. Im Gegensatz zu den heute vorherrschenden monotheistischen Religionen mit einem mehr oder weniger strengen Bilderverbot gab es in griechisch-römischen Gotteshäusern tatsächlich etwas zu sehen, nämlich oft sehr kunst- und wertvolle Götterbilder. Diese Bilder sind das, was man sehen kann, also eidola (εἴδωλα). Beim Übertragen ins Lateinische wird ei- regelmäßig zu langem i-, womit wir bei idola wären und darin erkennt man unser heute verwendetes Wort „Idol“ dann doch schon ganz gut.

Auffällig ist, dass in vielen unserer überlieferten Texte aus der Spätantike und dem Mittelalter „Idole“ etwas Negatives sind, nämlich in allen christlichen, muslimischen und jüdischen Quellen. Denn es handelt sich ja um heidnische Götterbilder, die die eigene Religion verbietet. Das goldene Kalb in der Bibel ist zum Beispiel ein solches Idol oder einfach jede andere Götterstatue. Der nicht mehr ganz so geläufige Begriff „Götze“ gibt diese negative monotheistische Deutung ganz gut wieder. (Und wir meinen an der Stelle nicht den Fußballspieler, auch wenn dieser für viele sicher ein Idol ist.)

Antike Idole und moderne idols

Nun wurden die Götterbilder in der Antike aber ja in erster Linie angebetet und eben vergöttert. Und daher kommt natürlich auch, die (häufiger) positive Bedeutung, die der Begriff heute hat. Idole sind Personen, die vergöttert werden. Ab und an hört man von Hardcore-Fans ja sogar von kleinen Schreinen, die sie zu Ehren ihrer Lieblingsstars aufgestellt haben. Insofern ist die antike Bezeichnung für ein Götterbild doch gar nicht so weit weg von unserer modernen Auffassung, auch wenn in der Antike vielleicht niemand den Poseidon-Starschnitt im Zimmer aufgehängt hätte.

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