Insekt – Fremdwort der Woche

Insekten sind für die meisten Leute jetzt nicht gerade Lieblingstiere und unser Verhältnis zu ihnen irgendwie zwiegespalten. Schmetterlinge gehen meistens noch als hübsch durch. Auch Libellen werden gelegentlich als wunderschön bezeichnet. Aber Wespen? Die sind für die meisten von uns eher Ausgeburten der Hölle. Und ebenso zwiespältig wie unser Verhältnis zu ihnen ist auch ihre Bezeichnung. 

Zwei Fremdwörter für ein und dasselbe

Insekten haben eindeutig zu viele Beine, Flügel, Fühler und ekelhafte Augen. Das Tierreich hält allerlei Kuriositäten bereit, aber Insekten nehmen darin aufgrund ihrer äußeren Gestalt eine Sonderstellung ein. Und auch sprachlich gibt es so die eine oder andere Merkwürdigkeit im Zusammenhang mit Insekten. Sie heißen „Insekten“, aber eine Person, die sich mit ihnen (warum auch immer) wissenschaftlich befasst, ist ein*e Entomolog*in. Warum sind das keine Insektolog*innen?

Das hat mit ihrer eigenen Zweiteilung zu tun. Ja genau, denn das ist eins ihrer wichtigsten Merkmale: Sie bestehen aus zwei Teilen. Bei einer Wespe ist das ziemlich gut zu erkennen, denn sie besitzt einen vorderen Teil, an dem der Kopf, die Flügel und Beinchen ansetzen. Und dann gibt es da noch den monströsen hinteren Teil (das „Abdomen“), das wir vor allem als Abschussrampe für den Stachel kennen. 

Die Wissenschaft von den eingeschnittenen Tieren

Und genau diese charakteristische Zweiteilung des Körpers gab den Insekten ihren Namen. Allerdings wurde der zuerst auf griechisch gebildet: Entomon. Das bedeutet wörtlich „das Eingeschnittene“, aus ἐν (en) für „innen“ und der Nachsilbe -tomon, die wir so ähnlich auch aus der Ana-tom-ie kennen. Und die hat bekanntermaßen ja auch was mit Aufschneiden zu tun. 

Diese griechische Bezeichnung für die Insekten steckt im Begriff „Entomologie“, was also etwa „Wissenschaft von den eingeschnittenen Tieren“ bedeutet. So kommt es, dass ein*e Insektenforscher*in als Entomolog*in bezeichnet wird. 

Im Alltag wird man solche Entomolog*innen vielleicht am ehesten aus „Medical Detectives“ kennen. Da sind sie dafür zuständig, den Todeszeitpunkt eines Mordopfers zu bestimmen, indem sie irgend welche Larven, Fliegen oder Käfer untersuchen, die einen toten Körper besiedelt haben. Ganz schön unappetitlich, aber in diesem Posting geht es nun mal um Insekten. Da wird es eben selten appetitlich. 

Ein zwiegespaltenes Verhältnis

Kommen wird daher besser zügig mal zum Ende. Der Begriff „Insekt“ ist nämlich nichts Anderes als eine wörtliche Übersetzung des griechischen „Entomon“. „In“ heißt lateinisch ebenfalls „in“ oder „(hin)ein“. Und „secare“ ist das lateinische Wort für „schneiden“. Also ist ein „insectum“ ebenso ein „eingeschnittenes (Tier)“.

Warum und wieso man sich nie auf eine von beiden Varianten geeinigt hat und wir auch heute noch mit zwei Begriffen hantieren, um dasselbe zu beschreiben, weiß kein Mensch. Legen wir uns einfach mal die Erklärung zurecht, dass das auch metaphorisch unser zwiegespaltenes Verhältnis zu dieser Tierklasse ausdrücken soll.

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