Klöster sind für uns heute Orte wie aus einer anderen Zeit. Man denkt an das Mittelalter, an Stille, Weihrauch und kontemplatives Herumsitzen. Das hat mit der historischen Realität von Klöstern aber nicht besonders viel zu tun.
Klöster waren im Mittelalter und bis in die frühe Neuzeit hinein laut. Es waren wirtschaftliche Zentren, Arbeitsstätten, Bildungsorte und auch teilweise Institutionen der Verwaltung. Das erst mal gleich vorweg zur historischen Realität von Klöstern. Heute ist unser Blick auf Klöster sehr stark von bestimmten Klöstern, oder genauer: bestimmten Orden geprägt. Dazu kommt eine gewisse Romantisierung des Klosterlebens aus der Zeit der Industrialisierung, als Ruhe und Stille seltener wurde.
Natürlich galten in vielen Klöstern trotzdem gewisse Regeln, auch was die Stille angeht. Es würde zu weit führen, in diesem Beitrag jetzt auf alle möglichen Orden einzugehen, aber zumindest kann man verallgemeinernd sagen: In vielen von ihnen gab es ein Maßhalten beim Reden. Man könnte auch von „kontrollierter Sprache“ sprechen.
Dabei ging es aber nicht um totale Stille, sondern um Disziplin. Sprache galt als potentiell gefährlich, und da genügen ein paar Schlagworte: Klatsch, Streit, Ablenkung. Und wenn man mal so darüber nachdenkt: Da ist sicherlich was dran. Wenn man ingesamt weniger redet, kommt vielleicht auch weniger Bullshit dabei rum. Aber das ist ein anderes Thema.
Ein weiterer Aspekt hat aber noch dazu beigetragen, dass wir Klöster heute so stark mit Stille, Ruhe und Kontemplation verbinden, und das ist der Herkunft des Begriffs. „Kloster“ stammt vom lateinischen Wort claustrum, was so viel wie „abgeschlossen“ oder „abgeschottet“ bedeutet.
Auf den ersten Blick passt das perfekt: Eine Gruppe von Personen schottet sich (weitgehend) von der Außenwelt ab und gibt sich einem asketischen Lifestyle hin. Wie passt das aber zu dem, was ich eben über die historische Wirklichkeit in Klöstern im Mittelalter oder der frühen Neuzeit geschrieben habe? Ein gewisses Missverständnis, könnte man sagen.
Das lateinische Wort claustrum bedeutet „geschlossen“ oder „abgeschlossen“. Damit war aber nicht gemeint, dass sich die Menschen in einem Kloster von der Außenwelt komplett abgeschottet haben. Dieses „abgeschlossen“ ist eher nach innen gemeint.
Es handelte sich um eine geschlossene Gruppe von Menschen an einem bestimmten Ort. Sie etablierten Regeln, Systeme und eine Struktur für sich. In diesem Sinne waren Klöster abgeschlossene Orte.
Klöster waren also spirituelle Rückzugsorte, aber eben auch und vor allem klar organisierte Lebens- und Arbeitsgemeinschaften. Das bedeutete aber nicht, dass dort kein „Leben“ herrschte. Ganz im Gegenteil.
Heute sieht das etwas anders aus. Klöster sind ohnehin sehr selten geworden. Ihre kulturelle Bedeutung hat gewaltig abgenommen, denn Bildung, Wirtschaft, Arbeit und auch öffentliche Verwaltung – alle diese Dinge finden heute längst an anderen Orten statt.
Was geblieben ist, ist die rein spirituelle Komponente. Heute kann man ja sogar mit Schulklassen zu „Besinnungstagen“ ins Kloster fahren. Da wird dann meditiert, reflektiert, vielleicht auch ein Austausch über zentrale Lebensfragen angeregt.
Mit anderen Worten: Außenstehende nutzen Klöster heute tatsächlich als Flucht aus ihrem Alltag, um mal für ein paar Tage „runterzukommen“, sich von der Welt abzuschotten und sich auf sich zu konzentrieren. Und eigentlich müsste uns das zu denken geben. Also, dass wir in unserem Alltag selbst dafür offenbar gar keinen Raum haben.

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