Pinguin – Fremdwort der Woche

Jede*r kennt sie, so ziemlich jede*r mag sie: Die kleinen, behäbigen und flugunfähigen Vögel, die die Antarktis bewohnen. Meistens sind sie schwarz und weiß gemustert. Einige Arten tragen außerdem stolz einen eleganten Farbakzent auf dem Kopf oder über den Augen. Die Rede ist von den Pinguinen. 

Obwohl sie sehr gute und schnelle Schwimmer sind, macht man sich auch gerne ein wenig über sie lustig, sobald sie festen Boden betreten. Ihr ungelenkes Watscheln macht schon auf den ersten Blick deutlich, dass das Land nun wirklich nicht ihr Element ist. Und die Luft noch viel weniger, denn fliegen können sie auch nicht, obwohl es sich biologisch gesehen um Vögel handelt.

Das hat nicht nur, aber auch mit einer körperlichen Eigenschaft zu tun. Sie schränkt zwar ihre Bewegungsfreiheit ein, ermöglicht es ihnen aber auch, in klirrender Kälte zu bestehen: Pinguine sind unglaublich fett. Unter ihrer äußeren Hautschicht verbirgt sich eine bis zu 3 Zentimeter dicke Fettschicht, die sie gegen die Umgebungsbedingungen abschirmt. 

Ein gemeiner Name

Und so sind die Pinguine womöglich auch zu ihrem Namen gekommen. Denn das lateinische Wort „pinguis“ bedeutet schlicht und ergreifend „fett“. So könnte man den Namen frei mit „Fettvogel“ wiedergeben. Das ist natürlich ein ziemlich gemeiner Name für das arme Tier, das doch bei den meisten Menschen eine große Beliebtheit genießt. 

Aber man kann den Namen vielleicht retten, denn seine Herleitung ist nicht ganz unumstritten. In der Tat muss man als Lateiner schon feststellen, dass die Bildung eines Wortes wie „Pinguin“ (bzw. „pinguinus“) vom lateinischen Adjektiv „pinguis“ eher unkonventionell ist. Entstanden ist das Wort „Pinguin“ natürlich erst in der Neuzeit, denn da erst begegneten Europäer*innen erstmals diesen Tieren. Nimmt man den Ursprung von lateinisch „pinguis“ an, dann liegt hier ein etwas apartes Kunstwort vor, das vom Lateinischen inspiriert ist, aber streng genommen eigentlich keine wirkliche Bedeutung hat. Außer „fett“.

Aber gut, vielleicht wollte der Erfinder (oder die Erfinderin) des Begriffs das ja auch mit Absicht betonen und hat deswegen nur die inhaltsleere Endung „-nus“ darangepackt, um nur ja nicht von der Adiposität des Tiers abzulenken. 

Oder vielleicht doch nicht?

Vielleicht sind wir aber auch auf dem Holzweg. Möglicherweise geht das Wort „Pinguin“ auch über das englische „penguin“ auf den walisischen Ausdruck „pen gwyn“ zurück, was so viel bedeutet wie „weißer Kopf“. Das hat Charme, denn zum einen ergibt der Begriff dann sofort einen sehr guten Sinn, sofern man bestimmte Pinguinarten heranzieht. Zum anderen könnte man auf diese Weise auch erklären, woher auf einmal das -e- im englischen „penguin“ kommt. Denn da sind Sprachwissenschaftler*innen gnadenlos. Wenn man solche kleinen Details nicht schlüssig erklären kann, dann steht eine etymologische Herleitung auf äußerst wackeligen Füßen. 

Aber einen Punkt kann die „Fettvogel-Geschichte“ immerhin für sich noch verbuchen: Auch in anderen Sprachen hatte man ähnliche Gedanken. So wird der Pinguin auf Niederländisch auch „vetgans“ genannt. Und wie man dieses Wort ins Deutsche übersetzen müsste, ist wohl einigermaßen unstrittig. 

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