exotisch – Fremdwort der Woche

Woran denkt ihr, wenn ihr das Wort „exotisch“ hört? Vielleicht an die Südsee, türkisblaues Wasser, einen Cocktail… Oder vielleicht auch an den Duft von Zitronen, den Geschmack einer Avocado auf Toast? Ja, mit Exotik verbinden wir in der Regel positive Dinge. Aber was bedeutet der Begriff eigentlich?

Es gibt exotische Strände, aber auch exotische Früchte. Manchmal hört und liest man auch von einer „exotischen Schönheit“, um attraktive Menschen aus fernen Ländern zu bezeichnen. Aber es gibt auch „exotische Materie“. Ernsthaft? Was bitte soll das sein?

Im Grunde erklärt sich dieses Bedeutungsspektrum relativ leicht. „Exotisch“ geht auf das griechische Wort ἐξωτικός (exotikós) zurück, was so viel bedeutet wie „außerhalb liegend“. Und weil fremde Länder und Regionen „außerhalb“ liegen, bedeutet das Wort schon in der Antike auch „fremdländisch“. 

Exotik damals und heute

Für die Menschen der Antike waren dabei aber ganz andere Sachen exotisch als für uns. Ägypten mit seiner uralten Kultur, seinen Schätzen und Geheimnissen war für die Griech*innen und Römer*innen exotisch. Gleiches gilt für Persien (also etwa den heutigen Iran und Irak). Und auch Germanien war für die Menschen des Mittelmeerraums ziemlich exotisch. Von Britannien und Skandinavien (oder sogar Russland!) mal ganz zu schweigen. 

Und die Antike kannte auch schon so etwas wie „exotische Früchte“. Der Pfirsich ist so eine. Das wäre eigentlich mal was für ein eigenes Fremdwort der Woche, denn „Pfirsich“ kommt vom lateinischen „(malum) persicum“ – zu Deutsch: persischer Apfel. Diese Frucht stammte also eigentlich aus Persien und war insofern etwa das antike Pendant zur Zitrone. 

Und auch die (Kultur-)Kirsche ist genau genommen eine Exotin. Bei ihr wissen wir sogar, wann und wie genau sie zu uns (oder genau genommen zuerst nach Rom) kam: Lucius Licinius Lucullus brachte sie von seinen Feldzügen gegen Mithridates in Kleinasien in den 70er-Jahren vor Christus mit in seine Heimat.

Solche Sachen beeindrucken uns heute eher weniger. Für uns muss es schon der Südpazifik sein oder Ostasien, damit wir den Begriff „exotisch“ verwenden. Geht man nach dem reinen Wortsinn („fremdländisch“), dann könnten wir aber genauso gut auch holländischen Spargel schon als „exotisch“ bezeichnen. Aber Spargel ist sowieso ekelhaft. (Persönliche Meinung des Autors. – Anm. d. Red.)

Auch Materie kann exotisch sein

Aber diese Grundbedeutung erklärt uns dann auch die Frage, was nun bitte schön „exotische Materie“ ist. Das ist nicht etwa Materie von den Malediven, sondern eine hypothetische Art von Materie, die sich (möglicherweise) in Neutronensternen befindet. Sie hat auch was mit Wurmlöchern und dem Warp-Antrieb zu tun, aber das müsst ihr bitte selbst nachlesen. Das war mir zu hoch. 

Zugegeben, „fremdländisch“ ist in dem Zusammenhang eher relativ. Es geht natürlich um eine übertragene Bedeutung („fremdländisch“ ≈ „außerirdisch“). Ich kenne jedenfalls kein fremdes Land (auch nicht im Südpazifik), das einen Neutronenstern besitzt. Das wäre auch eine ganz schön schlechte Idee. Fragt man den*die Physiker*in eures Vertrauens, was ein Neutronenstern und eine Discokugel gemeinsam haben. Und worin der große Unterschied besteht. Dann sollte klar sein, warum so was gerne sehr „exotisch“ und ganz weit weg bleiben darf.

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