Kalender – Fremdwort der Woche

Wer von euch hat auch alles einen Kalender zu Weihnachten geschenkt bekommen? Mittlerweile gibt es sie in allen erdenklichen Designs, Formen und Größen. Und sie sind ja auch sehr praktisch, um die Übersicht zu behalten. Würde mir nicht ständig von meinem Handy, Computer oder auch von einem physischen Kalender angezeigt werden, welches Datum ist, ich würde es vergessen. Manchmal ist das mit der aktuellen Jahreszahl ja schon so ne Sache. 

Und genau aus diesem Grund, damit man nämlich die Übersicht nicht verliert, gab es Kalender auch schon früher. Ein mittelalterliches calendarium hatte aber trotzdem noch eine leicht andere Funktion. Denn es war ein Schuldbuch, also ein Schriftstück, in dem man noch offene Forderungen notierte. Auf diese Forderungen waren jeweils am Ersten eines Monats Zinsen fällig. Das heißt, man notierte seine Forderungen in einem Verzeichnis, in dem der jeweils Erste eines Monats aufgelistet war. Und der erste Tag eines Monats sind auf Latein die Kalendae. (Übrigens eines der ganz wenigen Worte, das im Lateinischen mit K geschrieben wird.) Daher also der Name calendarium.

Die Kalendae haben ihren Namen wiederum vom (nicht sehr gebräuchlichen) Verb calare, was „ausrufen“ bedeutet. Zuständig für die Ausrufung des Monatsanfangs (= der Kalendae) war die Priesterschaft der Mondgöttin Iuno Covella. Dass man den Monatsanfang überhaupt jeden Monat ausrufen und damit öffentlich bekannt machen musste, hat damit zu tun, dass der römische Kalender ursprünglich ein Mondkalender war, der gar nicht mal so übersichtlich und leicht verständlich war.1 Mit dem Ritual der Iuno Covella wurde festgelegt, wie viele Tage der Monat dauerte. 

Wie lange dauert der Monat überhaupt?

Das hatte im antiken Rom schon denselben Sinn wie im Mittelalter: An den nächsten Kalenden musste man seine Schulden zurückzahlen oder die Zinsen darauf bezahlen. Dadurch, dass öffentlich bekannt gemacht wurde, wann der nächste Monatsanfang war, wusste man also, bis wann man Zeit hatte, das Geld zu beschaffen. Daraus erklärt sich auch die für uns meistens recht verwirrende Zählung der Tage in römischer Zeit. Man sagte nicht „23. Januar“, weil das der 23. Tag im Januar war, sondern „zehn Tage vor den Kalenden des Februar“, weil noch zehn Tage bis zum 01. Februar Zeit waren. (Den 23. Januar als Ausgangspunkt und den 01. Februar als Endpunkt immer miteingerechnet.)

Ja, das mit dem römischen Kalender war nicht so leicht. Und diese Zählung ist auch etwas speziell Römisches. In Griechenland sah das wieder anders aus. Dort gab es keine Kalendae. Das soll Augustus dazu gebracht haben, den Ausdruck zu prägen: „jemand werde an den griechischen Kalenden (ad Kalendas Graecas) seine Schulden zurückzahlen“,2 was gleichbedeutend ist mit dem „Sankt-Nimmerleins-Tag“ oder „nie“.

Auch wenn wir heute also anders zählen, ist es doch auch ganz nett, dass die meisten Leute mit dem Monatsanfang heute nicht mehr unbedingt den Tag verbinden, an dem sie dringend ihre Schulden zurückzahlen müssen, sondern damit, dass das Gehalt überwiesen wird.

  1. Den Sonnenkalender mit 365 Tagen und einem Schalttag alle vier Jahre brachte erst Caesar aus Ägypten mit. Deswegen heißt dieser Kalender auch julianischer Kalender.
  2. Sueton, Augustus, 87

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