Muskel – Fremdwort der Woche

Muskeln zu haben, ist lebenswichtig. Allein schon, weil das Herz ein großer Hohlmuskel ist. Aber Muskeln können auch sexy sein, vor allem die an den Armen oder am Bauch. Das ist natürlich Geschmacksache, denn man kann es auch übertreiben und am Ende (sorry, truth be told) aussehen wie ein Oger. Und wenn so mancher Muskelprotz wüsste, was „Muskel“ wirklich heißt… Sagen wir mal so: Die Geschichte dahinter klingt ein bisschen albern.

Ein tierischer Ursprung

Das Wort „Muskel“ geht auf das lateinische musculus zurück. Alle Wörter, die im Lateinischen auf so was wie -ulus enden, sind so genannte Deminutive, oder verständlicher ausgedrückt: Verkleinerungsformen. Man kennt vielleicht noch den homunculus, was so was wie „Männlein“ oder „Menschlein“ heißt. 

Musculus ist die Verkleinerungsform von mus. Und das heißt: Maus. Ein Muskel ist ein „Mäuschen“. Gut, das hätten wir geklärt. Wer also regelmäßig ins Fit rennt, trainiert dort seine Mäuschen. Das ist das, was ich meinte, als ich oben im Teaser geschrieben habe: „Die Geschichte dahinter ist ein bisschen albern.“

Und wir haben eine ganze Menge Mäuschen in uns. 656, um genau zu sein. Das größte ist das große Rückenmäuschen, das stärkste das Kaumäuschen, die beweglichsten sind die Augenmäuschen und das kleinste ist das Steigbügelmäuschen in unserem Innenohr. Die Mäuse sind also überall. Es ist eine regelrechte Nagetierinvasion, die sich da in unserem Körper abspielt. Scheint uns aber nicht zu schaden, ganz im Gegenteil. Sie sind ziemlich fleißig, diese Mäuschen. 

Und vielfältig sind sie auch, denn es gibt ja bekanntermaßen quer- und längsgestreifte Mäuschen. Sorry, der musste noch sein. Das soll jetzt aber reichen. 

Wie kommt das denn?

Wie kommt es also, dass das lateinische Wort musculus für Bewegungsorgane verwendet wurde? Sicher beantworten kann man das nicht, aber sehr wohl eine plausible Theorie anführen. Erstmals taucht der Begriff musculus in der Bedeutung „Muskel“ beim antiken Mediziner Celsus auf. Der war ein ganz schön schlauer Kopf, aber er liefert auch keine Erklärung für den Begriff. Er benutzt ihn einfach. 

Die Lösung könnt ihr aber an euch selber nachvollziehen. Macht mal grad euren rechten oder linken Arm frei. Dann streckt ihr ihn langsam aus und zieht ihn wieder an. Beobachtet dabei mal euren Oberarm. Was passiert da? Ja, da bewegt sich was unter der Haut. Das ist der allseits bekannte und vielfach geschätzte Bizeps. 

Offenbar erinnerte diese Bewegung unter der Haut die Menschen der Antike an eine kleine Maus, die sich unter der Haut bewegt. Auf die Idee muss man auch erst mal kommen. Auf der anderen Seite: Wenn sich irgendwas unter der Haut bewegt, denken wir heute dafür vielleicht voller Panik an einen Alien-Fötus, der gleich unsere Bauchdecke durchbrechen wird. Wir sind halt völlig degeneriert und von der Filmindustrie verdorben. Insofern: Lieber mal nicht mit Steinen werfen, wenn man im Glashaus sitzt. 

Von der Maus zum Kater

Das ist jedenfalls, soweit wir wissen, der Ursprung des Ausdrucks „Muskel“. Sorry, wenn ihr jetzt nicht mehr ohne albern zu kichern ins Fit gehen und das alles nicht mehr ernst nehmen könnt. Übrigens (wo wir grad beim Training sind) ist es irgendwie ironisch, dass wir bei Überanstrengung ausgerechnet einen Muskelkater erleben. Passt natürlich wie die Faust aufs Auge, ist aber ein sehr verrückter Zufall. Also, es hat sich niemand hingesetzt und gesagt: Ey, wenn Muskel wörtlich „Mäuschen“ bedeutet, dann wäre es doch voll cool, von einem „Muskelkater“ zu sprechen, wenn ein Muskel überbeansprucht ist. 

Der Wortteil „Kater“ ist eine so genannte Verballhornung des Wortes „Katarrh“. Über das Wort „Katarrh“ könnte man bei Gelegenheit mal einen eigenen Beitrag schreiben, aber an dieser Stelle nur so viel: „Katarrh“ ist im Grunde eine andere Bezeichnung für „Entzündung“. 

Dieser Begriff wurde vor allem im Mittelalter und in der frühen Neuzeit für alle möglichen Erkrankungen oder Symptome verwendet, auch wenn wir heute wissen, dass sie gar nichts mit einer Entzündung zu tun haben. Und so ist es auch beim Muskelkatarrh, der zum „Muskelkater“ wurde. Und nebenbei: Genau so einen Kater erleben wir auch, wenn wir zu viel gesoffen haben. Auch hinter diesem Kater steckt eigentlich ursprünglich ein Katarrh. 

Wenn man es mit dem Alkohol und mit dem Training nicht übertreibt, dann kann man solche ungewollten Katzenangriffe aber gut vermeiden. Es reicht ja auch mit Viehzeug in unserem Körper. 

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