Pandemie – Fremdwort der Woche

Wir haben uns tapfer davor gedrückt, aber angesichts der Ereignisse, die das Jahr 2020 geprägt haben, kommen wir nun doch nicht drum herum. Heute geht es um die Pandemie und woher dieser Begriff eigentlich stammt. 

In der Regel ziehen wir unser Fremdwort der Woche ja auch gerne schon mal mit einer Prise Humor und einem Augenzwinkern auf. Aber den wenigsten dürfte man noch ein Schmunzeln entlocken können, wenn wir nun die Pandemie erklären. Wenn es das gäbe, würde man es vielleicht zum „Reizwort des Jahres“ wählen.

Dabei hat der Begriff eigentlich einen harmlosen Ursprung. Es besteht aus den beiden altgriechischen Bestandteilen πᾶν (pân) und δῆμος (dêmos) und bedeutet damit „das ganze Volk“. Tatsächlich ist auch der zusammengesetzte Begriff πανδημία (pandemía) schon in der Antike belegt und kommt sogar in Platons „Gesetzen“ vor. Er bezeichnet die Gesamtheit eines Volkes, genau genommen in einer Stadt. 

Heute verstehen wir unter einer Pandemie nicht die „Gesamtheit des Volkes“, sondern eine Seuche, die diese Gesamtheit erfasst. Und zwar weltweit, oder zumindest mehrere Kontinente übergreifend. 

Die Pandemie und ihre kleine Schwester, die Epidemie

Und das hat wiederum etwas mit der „Vorstufe“ einer Pandemie zu tun, einer Epidemie. Die gibt es ja auch noch und bedeutet wörtlich „(Aufenthalt) beim eigenen Volk“. Und dieses Wort hat auch schon im antiken Griechisch gelegentlich die Bedeutung „Krankheit, die das eigene Volk erfasst“. Das bedeutet, dass zuerst der Begriff Epidemie für Krankheiten verwendet wurde, die eine große Verbreitung hatten und das (ganze) eigene Volk erfassten. Das war für die Antike schon schlimm genug. Den Begriff Pandemie im Sinne einer Steigerung einer solchen Seuche kannte man noch nicht. 

Dass man „Pandemie“ in dem Sinne verwendet, wie wir es heute tun, wäre einer*m Muttersprachler*in im antiken Griechenland etwas komisch vorgekommen, denn mit dem Ausdruck δῆμος (dêmos) meinte man immer nur ein Volk, meist das eigene, je nach Kontext auch ein fremdes. Wollte man ein weltumspannendes Phänomen beschreiben, hatte man den Ausdruck οἰκουμένη (oikouméne), was so viel bedeutet wie „die (gesamte) bewohnte Welt“ oder „Weltbevölkerung“. Das Wort kennen wir heute aus dem kirchlichen Kontext als Ökumene. Ein ökumenischer Gottesdienst ist einer, der für die ganze Weltbevölkerung gedacht ist. Also, sofern sie christlich ist. Der Rest wird offensichtlich dabei ausgeblendet. 

Hätte man also im antiken Griechenland eine Krankheit beschreiben wollen, die die ganze Welt erfasst, wäre sicher irgendein Ausdruck mit οἰκουμένη (oikouméne) dabei herausgekommen. Aber zum Glück war die Welt damals noch sehr klein. Eine weltumspannende Pandemie lag mehr oder weniger außerhalb der Vorstellungskraft der meisten Menschen. 

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