Phosphor – Fremdwort der Woche

Phosphor kennt man als irgendsoein chemisches Element, das irgendwie so da ist. Und es ist bestimmt wichtig, weil es auch irgendwas in unserem Körper macht. Energiegewinnung und Citronensäurezyklus und so. Ist aber heute alles egal, weil wir uns anschauen wollen, wie es eigentlich zu diesem Namen gekommen ist und was der Teufel damit zu tun hat.

Reines Phosphor kommt auf der Erde gar nicht vor. Und so dauerte es auch entsprechend lange, bis man es erstmals in Reinform entdeckte. Das gelang 1669 dem deutschen Apotheker und Alchemisten Hennig Brand. Der wollte zwar eigentlich den Stein der Weisen herstellen, entdeckte dabei aber versehentlich Phosphor, den weißen Phosphor um genau zu sein. Übrigens aus verdampftem Urin. Bei Harry Potter war das mit dem Stein der Weisen irgendwie glamouröser.

Als Brand das Licht ausmachte, stellte er fest, dass das Zeug, das er da gewonnen hatte, im Dunkeln leuchtete. Wie diese Sterne, die man im Kinderzimmer an die Decke kleben kann. Nur viel stärker. Phosphor ist nämlich chemolumineszent. Es leuchtet von alleine. So, das war jetzt aber genug Wissenschaft für heute. Und es erklärt auch schon, warum Phosphor so heißt, wie es heißt.

Phosphor bedeutet nämlich nichts anderes als „lichttragend“ (vom griechischen Wort  phosphóros, φωσφόρος). Nun wurde das Wort phosphóros aber nicht erst seit 1669 verwendet, sondern auch schon in der Antike und die kannte das Element Phosphor ja noch gar nicht.

Phosphor und Lucifer

Dort war der „Lichtträger“ der Morgenstern, den man auf Griechisch Phosphoros nannte. Im lateinischen übertrug man das Wort einfach eins zu eins, so dass sich Lucifer ergab. Phosphoros und seine römische Entsprechung Lucifer waren in der Antike positive Gestalten, weil sie den neuen Morgen brachten.

Das sah auch das Christentum erst einmal so. Denn Christus als das „Licht der Welt“ war natürlich auch irgendwie ein Lucifer. In den christlichen Urgemeinden gab es sogar Menschen mit dem Taufnamen Lucifer. Ob das heute beim Standesamt auch noch durchgehen würde?

Die Wende kam mit der Bibelübersetzung. In der hebräischen Bibel erscheint der Morgenstern nämlich als gefallener Engel, der Gott herausgefordert hatte und dafür bestraft wurde. Und dieses hebräische Wort für Morgenstern wurde in der lateinischen Übersetzung eben zu Lucifer, was ja Morgenstern auf Latein bedeutet. Seit dem 4. Jahrhundert nach Christus ist eine direkte Identifikation mit Satan belegt. Seitdem hatte er ein gewisses Image-Problem.

Ob man Phosphoros, den Lichtträger, also als etwas Positives oder Negatives sieht, hängt wahrscheinlich vom kulturellen Kontext ab, in dem man sich befindet. Die Wissenschaft ist natürlich wie immer sachlich und hat keine Hintergedanken bei der Verwendung des Wortes Phosphor. Es darf ganz normal neben all den anderen Elementen im Periodensystem stehen. Es hat keinen Ehrenplatz und wurde auch nicht an den Katzentisch verbannt.

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