Basilikum, Basilisk und Basilika – Fremdwort der Woche

Diese Woche gibt es von uns direkt drei Fremdwörter der Woche, bei denen man sich fragen kann, warum die eigentlich so ähnlich sind. Leben Basilisken in Basiliken? Oder füttert man die etwa mit Basilikum? Basilisk, Basilika, Basilikum – was die drei verbindet, erfahrt ihr im folgenden Artikel.

Dort, wo ich zur Schule ging, gab es ein Kloster und zu diesem Kloster gehört eine mindestens regional bekannte Kirche. In der Schule wurde uns beigebracht, dass diese Kirche eine Basilika sei. Ich habe das nie groß hinterfragt, was genau jetzt eine Basilika von anderen Kirchen unterscheidet, aber mal im Ernst: Wer blickt bei Dom, Münster, Kathedrale usw. überhaupt noch durch, wo da die Unterschiede liegen. Diese Kirche war eben eine Basilika, wie der Kölner Dom eben ein Dom war.

Mit dem zweiten Wort, das auf die gleiche Wortwurzel zurückgeht, werden mehr Menschen in Berührung gekommen sein als mit dieser speziellen Kirche: Das Basilikum ist schließlich auch hierzulande eine beliebte Gewürzpflanze, aus der man ein prima Pesto herstellen kann. Jetzt hatten die Mönche in dem Kloster sicher nicht das Pesto erfunden und so kann man sich dann schon fragen, was diese spezielle Kirchenform und das Gewürz gemeinsam haben. 

Und dann gab es da eben noch den Basilisken, von dem bis zum Erscheinen der Harry Potter-Bücher vermutlich die meisten Menschen noch nie etwas gehört hatten. Aber das Wort war eben wieder so ähnlich. Gab es vielleicht in der Basilika Basilisken, die mit Basilikum gefüttert wurden? Das würde die schlechte Laune des Monsters bei Harry Potter erklären. Was hatten die drei also gemeinsam?

Was das Basilikum mit dem Basilisken zu tun hat

Die Antwort ist ernüchternd. Denn es ist tatsächlich gar nicht mal so viel, außer dass sie sich vom selben lateinischen Wort ableiten bzw. eigentlich vom selben griechischen Lehnwort im Lateinischen. Denn das Lateinische basilicus bedeutet „königlich“ und geht auf das Griechische basileus („König“) zurück. Bei dem Basilisken leuchtet das sofort ein: Er ist eine riesige und gefährliche Schlange, gewissermaßen der König der Schlangen. Ein Fabelwesen, mit dem man sich besser nicht anlegen will.

Das Basilikum wird wohl auch „Königskraut“ genannt. Ich kannte es unter diesem Namen nicht, aber hier zeigt sich in der deutschen Bedeutung der lateinische Wortstamm noch ganz gut. Seine königliche Würde verdankt das Basilikum vermutlich weniger der Tatsache, dass es einfach super auf Tomate-Mozzarella schmeckt, sondern mehr dem Umstand, dass es sehr viele Verwendungszwecke hat. Neben der Küche werden die ätherischen Öle des Basilikums auch in der Kosmetikindustrie verwendet. Und lange Zeit fand es auch Anwendung als Heilkraut gegen diverse Beschwerden des Magen-Darm-Trakts, als Wurmkur oder als Entzündungshemmer. Eine wahrhaft königliche Pflanze also mit zahlreichen Verwendungsmöglichkeiten.

– und mit der Basilika

Kommen wir nun doch noch einmal auf die eingangs gestellte Frage zurück, was eine Basilika von anderen Kirchen unterscheidet. Es ist schlicht die Bauform. In aller Kürze: Eine Basilika besteht aus drei Kirchenschiffen, von denen das mittlere höher ist als die beiden äußeren. Diese Bauform findet sich vor allem bei romanischen Kirchen, ist aber keine Form, die sich die Christinnen und Christen für ihre Kirchen ausgedacht haben, sondern die sie von den Römerinnen und Römern übernommen haben. Im Lateinischen gehörte zu dem Adjektiv basilica noch das Substantiv domus („Haus“), das irgendwann weggelassen wurde.

Eine basilica domus ist also ein königliches Haus bzw. Gebäude. In Rom verwendete man es für Prachtbauten unterschiedlicher Art, nicht nur für Gotteshäuser, sondern z. B. auch für Markthallen oder Gerichtsgebäude. Und wenn man selbst die relativ wenig opulenten Kirchen aus romanischer Zeit mit einfachen Wohnhäusern aus dem Mittelalter vergleicht, dann kann man schon darauf kommen, warum so eine Kirche königlich erschien.

Basilisk, Basilika und Basilikum haben also nicht viel gemeinsam außer den Wortursprung. Eine königliche Schlange, ein königliches Gebäude und eine königliche Pflanze. Mit diesen royalen Erklärungen verabschieden wir uns für diese Woche.

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