Commodus – Ein Kaiser in der Arena?

Der römische Kaiser Commodus wird in den antiken Quellen nicht gerade positiv gesehen. Noch schlechter kommt er im Film „Gladiator“ mit Russell Crowe weg, wo der Kaiser von Joaquin Phoenix verkörpert wird. Der Film legt ausdrücklich keinen Wert darauf, historisch korrekt zu sein. Was gibt es also über den realen Commodus zu sagen?

Commodus war Sohn des berühmten Kaisers Marc Aurel, der als „Philosphenkaiser“ in der Geschichtsschreibung meistens ziemlich gut dasteht. Im Film übrigens auch, wo er als alter, weiser Mann auf dem Sterbebett noch total kluge Dinge sagt. Was Philosophen eben so tun, wenn sie sterben.

Commodus als Junge
Commodus als Kind, Römisch-Germanisches Museum Köln (Foto: Naughtynimitz, CC BY-SA 3.0)

Geboren wurde Commodus 161 n. Chr.1 und von seinem Vater direkt zum Nachfolger aufgebaut.2  Er reiste als Kind und Jugendlicher gemeinsam mit diesem durch das Reich und begleitete ihn bei diversen Kriegszügen. 180 n. Chr. starb Marc Aurel bei einem Feldzug gegen die Germanen in einem Feldlager an der Donau. 3 Commodus schloss Frieden mit den Germanen, kehrte eilig nach Rom zurück und wurde Kaiser.

Zunächst war er beim Volk sehr beliebt, weil er aufwendige Spiele veranstaltete. Nur die Senatoren mochten ihn nicht so, weil sie mehr Steuern zahlen mussten, um das alles zu finanzieren. Problematisch wurde es aber erst, als der Kaiser im Jahr 181 oder 182 ein Attentat aus seinem Familienkreis überlebte.

Man lebt gefährlich, wenn man Geschwister hat

Dieses Attentat hat den Namen Lucilla-Verschwörung bekommen nach der vermeintlichen Drahtzieherin des Anschlags, Commodus’ Schwester Lucilla. Sie war wohl eher nicht die schutzlose Witwe in Nöten, die ihrem tyrannischen Bruder ausgeliefert war, wie der Film uns weismachen will. Lucilla hatte offenbar ein Problem mit Commodus’ Frau, der Kaiserin, wodurch es zu Spannungen am Hof kam. Lucillas Ehemann war außerdem ein guter Freund ihres Bruders Commodus. Lucilla konnte ihren Mann allerdings nicht leiden und hatte ihn nur widerwillig geheiratet. Auch das belastete das Verhältnis zu ihrem Bruder. 

Der Geschichtsschreiber Herodian berichtet, Lucilla habe nun ein gewissen Quadratus (ja, der Name klingt wie aus Asterix, ich weiß) dazu angestiftet, ihren Bruder aus dem Weg zu räumen. Quadratus soll Lucillas Lover gewesen sein und außerdem eine Rechnung mit Commodus offen gehabt haben, weil dieser mit Quadratus’ Frau schlief. Sex-Storys am römischen Kaiserhof sind meistens etwas unübersichtlich. Ob die Geschichte wahr ist, können wir heute nicht mehr sagen. Unplausibel ist sie aber nicht.

Quadratus soll dann einen weiteren Senator angestiftet haben, im Kolosseum ein Attentat auf den Kaiser zu verüben. In einem dunklen Durchgang im Kolosseum soll dieser dann einen Dolch gezogen haben, geschrien haben: „Dies schickt dir der Senat!“, nur um daraufhin festgenommen und an Ort und Stelle getötet zu werden. 4 Vor einem Anschlag erst noch theatralisch bedeutungsvolle Sätze von sich zu geben, war auch vor 2000 Jahren schon eine dumme Idee.

Viele Tote, aber wer ist der Täter?

Ob Lucilla und Quadratus wirklich etwas mit dem Attentat zu tun hatten, ist nicht sicher. Quadratus wurde jedenfalls hingerichtet und Lucilla nach Capri verbannt – und dann hingerichtet.5 Obwohl die Verschwörung relativ klein war und keine großen Auswirkungen hatte, ließ Commodus auch mehrere Senatoren töten, die er verdächtigte. Nur um auf Nummer sicher zu gehen. Vielleicht mochte er ein paar von denen aber auch tatsächlich einfach persönlich nicht. Damit machte er sich beim Senat auf jeden Fall nicht gerade beliebt.

Dieses Ereignis prägte Commodus, der von nun an sehr misstrauisch gegenüber allen politisch einflussreichen Menschen wurde und dafür sorgte, dass sein Hof in der Folgezeit nur noch aus Leuten bestand, denen er vertraute. Das waren häufig kaiserliche Freigelassene und damit keine Senatoren, was ihn bei diesen noch unbeliebter machte, da sie sich zurückgesetzt fühlten. Die Regierungsgeschäfte führten einflussreiche Prätorianerpräfekten, die Leibwache des Kaisers, die unter Commodus allerdings auch keine allzu hohe Lebenserwartung hatten und oftmals von ihren eigenen untergebenen Soldaten des Hochverrats bezichtigt und ermordet wurden.

Ferrari fahren? Pah! – Selbstdarstellung für Fortgeschrittene

Gegen Ende seiner Herrschaft wurde Commodus immer paranoider und ließ immer mehr Leute beseitigen, insbesondere nachdem ein weiteres Attentat auf ihn fehlgeschlagen war. Seitdem wurde er auch zunehmend zum Selbstdarsteller. Und da er noch nicht rund um die Uhr Bilder bei Insta posten konnte oder politische Tweets mit seiner eigenen fragwürdigen Sicht der Dinge absetzen konnte, trugen seitdem einfach alle Monate im Kalender einen von Commodus’ Namen, die Legionen erhielten den Beinamen Commodianae und auch Städte benannte er nach sich selbst um. Dabei schreckte er nicht mal vor Rom zurück, das in dieser Zeit Colonia felix Commodiana hieß. 6 Das hat sich aus guten Gründen nicht über seinen Tod hinaus durchgesetzt.

Und ja, Commodus hat auch in der Arena gestanden. Cassius Dio, die zuverlässigste Quelle zu Commodus, berichtet davon, dass der Kaiser bei Wagenrennen mitmachte und bei Tierhatzen. Gegen andere Männer sei er nur privat als Gladiator angetreten und das auch ohne Publikum. 7 Öfter findet man in späteren Zeiten aber die Version von Herodian, nach der der Kaiser sehr wohl öffentlich als Gladiator aufgetreten sei. 8

Tod in der Arena? – Tod im Badezimmer!

Commodus als Hercules
Commodus als Hercules mit Löwenfell, Keule und den Äpfeln der Hesperiden, Kapitolinische Museen (Foto: Marie-Lan Nguyen, gemeinfrei)

Dass sein grundsätzliches Misstrauen angebracht war, zeigt sich in seinem Tod. Denn Commodus wurde natürlich nicht von einem Gladiator in der Arena erstochen, sondern starb bei einer Palastintrige. Die Prätorianerpräfekten Eclectus und Quintus Aemilius Laetus sowie Commodus’ Langzeitaffäre Marcia hatten angeblich einer Idee des Kaisers nicht freudig genug zugestimmt und landeten dafür auf der Liste von Personen, die der Kaiser umzubringen beabsichtigte. Davon erfuhren die drei und schlossen sich zu einer Verschwörung gegen den Kaiser zusammen. Marcia sollte ihn im Bad einen vergifteten Becher Wein servieren und die Männer dann den Leichnam entsorgen. 

Ungünstigerweise war der Kaiser aber anders als Joaquin Phoenix im Film kein blasser, dünner Junge, sondern eine ziemliche Kante. Bei jemandem, der erst 31 Jahre alt war und Ringen, Jagen und Gladiatorenkämpfe zu seinen Hobbys zählte, auch nicht weiter verwunderlich. Dem Kaiser wurde von dem Gift nur übel und er musste sich übergeben. Die Dosis reichte schlicht nicht aus. Damit wäre fast der dritte Mordanschlag fehlgeschlagen! Daraufhin riefen die Männer allerdings Commodus’ Trainingspartner Narcissus, der es körperlich mit dem Kaiser aufnehmen konnte und ihn schließlich mit einem Seil im Bad erwürgte.9 In Rom brachen nach dem Tod des Kaisers Thronstreitigkeiten aus, da die Thronfolge nicht geregelt war. Aus diesen ging schließlich Septimius Serverus als Gewinner hervor.

Und das sollen wir alles so glauben?

Vieles aus Commodus’ Herrschaft lässt sich nur schwer bewerten. Das hat damit zu tun, dass die Quellen, die uns über ihn berichten, allesamt von Senatoren verfasst wurden. Und zu denen hatte er, wie schon mehrfach erwähnt, kein gutes Verhältnis. Das hatte mit den oben schon erwähnten unpopulären Maßnahmen zu tun, die er gegen sie verhängte, aber wahrscheinlich hauptsächlich damit, dass Commodus nicht so tat, als hätte der Senat irgendetwas zu sagen. 

Auch während der Kaiserzeit gehörte es sich für Kaiser, so zu tun, als wäre der römische Staat eine Republik, in der die wichtigsten Dinge vom Senat bestimmt wurden. Der Kaiser war lediglich ein Senator, der ein ganz klitzekleines bisschen mehr zu sagen hatte als die anderen. Das war natürlich absolut realitätsfern. Aber Kaiser wie Commodus, die sich an diese Spielregeln nicht hielten, wurden von den Senatoren immer als schlechte Kaiser gesehen. Und diese Senatoren sind die Verfasser unserer Quellen. 

Daher finden sich in diesen Texten auch sehr viele typische Tyrannenmotive, die sich stereotyp in allen Berichten über schlechte Herrscher finden. Sie sind zum Beispiel immer launisch, leicht zu kränken und haben nie gute, rationale Gründe für ihr Handeln. Dass Commodus sich nur mit Leuten umgab, denen er vertraute, wird ihm zum Beispiel immer negativ als Feigheit und Angst ausgelegt. Dass er nach mehreren Mordanschlägen gute Gründe dafür hatte, zieht niemand in Erwägung. 

Außerdem sorgen schlechte Herrscher regelmäßig für Skandale oder das, was in Rom eben als Skandal galt – ein Kaiser in der Arena zum Beispiel.10  Andererseits haben wir auch keinen Grund dafür, an der Erzählung vom Kaiser im Circus zu zweifeln, zumindest nicht daran, dass er an Wagenrennen und Tierhatzen teilnahm.

Commodus als Gladiator
Commodus als Gladiator in der Arena (Edwin Howland Blashfield, Ende 19./Anfang 20. Jahrhundert, gemeinfrei)

Gute Kaiser – schlechte Kaiser

Das soll auch nicht heißen, dass Commodus’ Herrschaft positiv gesehen werden sollte. Dass er Senatoren vorwarf, an Verschwörungen gegen ihn beteiligt gewesen zu sein, diese ins Exil schickte oder gleich hinrichten ließ, macht ihn nicht gerade sympathisch.11  Dass er das auch deshalb tat, weil er damit das Vermögen dieser Leute konfiszieren konnte, um seine dauerhaft schlechten Staatsfinanzen zu sanieren, macht es noch schlimmer.

Commodus war also mit Sicherheit kein guter Kaiser. und ließ Leute hinrichten, ohne den Senat oder ein Gericht einzuschalten. Wie immer darf man aber auch nicht alle Klatsch- und Tratschgeschichten aus der antiken Historiographie über ihn glauben. 

Dass Ridley Scott in seinem Film „Gladiator“ Commodus durchweg negativ und moralisch verkommen zeichnet, ist aus dramaturgischen Gründen okay. Er ist die Figur in dem Film, die niemand mögen soll. Auch wenn der Film keinen Anspruch darauf erhebt, historisch korrekt zu sein, prägt er aber dennoch ein Bild des Kaisers, das völlig unkritisch alles übernimmt, was die antike, senatorische Geschichtsschreibung ihm vorwirft, und es dann noch dramatisch übertreibt. Und ob beabsichtigt oder nicht, ist es dieses Bild des Kaisers, das sich bis heute festsetzt.

  1. Historia Augusta, Commodus 1
  2. Historia Augusta, Commodus 12,8
  3. Cassius Dio, 71,33,4
  4. Cassius Dio, 72,4,5
  5. Cassius Dio, 72,4,5; Herodian, Commodus 1,8
  6. Cassius Dio, 72,15,5
  7. Cassius Dio, 73,10,3
  8. Herodian, Commodus 1,15
  9. Cassius Dio, 73,22,1; Herodian, Commodus, 1, 16-17; Historia Augusta 17,1
  10. Herodian, Historien, 1,15,1-9
  11. Cassius Dio 73,5,3

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