Skandal – Fremdwort der Woche

Skandale, Skandale, Skandale – sie sind aus dem öffentlichen Leben nicht mehr wegzudenken. Wurden sie anfangs mündlich diskutiert, wanderten sie später in die journalistischen Medien ab und werden heutzutage meist auch noch von einem heftigen Shitstorm in den sozialen Netzwerken begleitet. 

Man kann sich leicht vorstellen, dass Skandale schon zu allen Zeiten existiert haben. Schon die Beamten und Verwalter in den frühesten Gemeinwesen haben mit Sicherheit Fehler gemacht und sich das eine oder andere Vergehen geleistet, das zum öffentlichen Ärgernis wurde. 

Und so ist es kein Wunder, das auch der Begriff „Skandal“ (σκάνδαλον, skandalon) einen altgriechischen Ursprung hat. Er bezeichnet ursprünglich etwas, woran man mit dem Fuß oder Zeh anstößt, also beispielsweise ein Stein, eine Schwelle oder – auch für uns heute immer noch schmerzhaft präsent – die Kante eines Möbelstücks. Lässt der anfängliche Schmerz nach, kommt der Ärger. Und wer kennt nicht den wuterfüllten Impuls, das anstößige Möbelstück mit einem gezielten Tritt für den Schmerz zu bestrafen? 

Ein Stein des Anstoßes

Auch eine andere Person kann einen solchen Anstoß erregen. Zuerst der Schmerz, dann die Wut. Das Prinzip funktioniert auch bei Menschen. Und das war auch den Menschen einer griechischen Stadt klar, wenn sie sich darüber ärgerten, dass einer ihrer Beamten Geld aus der Stadtkasse für Nutten und Koks ausgegeben hatte. Nun, Koks vielleicht nicht. Aber wahlweise ein anderes Rauschmittel, das den Griechen bekannt war. 

Doch das Wort hat noch eine zweite Bedeutung, denn es kann auch einen Fallstrick bezeichnen. Fallstricke stammen ursprünglich aus der Jagdtechnik und bezeichneten einen aufgespannten Strick, der ein Tier bei der Flucht zu Fall brachte oder ein Netz, in dem es sich verfing. Und genauso erging es auch vielen Beamten in griechischen Städten. Ein Skandal, ob nun wahr oder inszeniert, konnte sie zu Fall bringen.

Und die Vielfalt der Skandale ist groß. Kein Bereich des öffentlichen Lebens bleibt davon verschont. Politik, Wirtschaft, Kultur, Sport… überall gab und gibt es sie. Bisweilen können die amüsant sein, wie der Bau der Berliner Flughafens, den inzwischen fast niemand mehr ernst nimmt, bisweilen auch hässlich, wie der um den Moderator Jörg Kachelmann, dessen Karriere und Ruf nach falschen Vergewaltigungsvorwürfen und etlichen Gerichtsprozessen ruiniert war.

Meistens sind Skandale aber auch spannend, wie der Watergate-Skandal, der sicher einer der berühmtesten der letzten Jahrzehnte war. Er hat alles, was zu einem echten Skandal dazugehört: Machtmissbrauch, Vertuschung, einen medialen Aufschrei und schließlich den Fallstrick, nämlich das endgültige Ende des US-Präsidenten Richard Nixon. Das alles hat sich nach Jahrtausenden nicht verändert, und Skandale werden uns auch in Zukunft weiter begleiten. Aber ohne sie wäre es ja auch langweilig.  

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