Idiot – Fremdwort der Woche

Sorry, aber ihr seid Idiot*innen. Also sehr wahrscheinlich. Ich auch. Die Leute, denen man das aber vermutlich am häufigsten nachsagt, sind keine: Politiker*innen. Denn mit ihnen hat das Wort im Ursprung etwas zu tun.

Die Bezeichnung Idiot bzw. idiótes (ἰδιώτης) gab es schon in der Antike. Und auch da war der Begriff schon nicht nett gemeint. Denn das Wort leitet sich ab vom griechischen Adjektiv ídios (ἴδιος), was „eigen(artig)“ oder „privat“ bedeutet. Ein idiótes ist also eine Privatperson, d. h. ein Mann, der keine politischen Ämter inne hatte. Was heutzutage dazu führen würde, dass vermutlich 99% aller Bürger*innen Idiot*innen wären, das sah in der Antike natürlich ein bisschen anders aus.

Unpolitisch sein ist idiotisch

Von einem Bürger einer Stadt, die mindestens teilweise demokratisch verfasst war, wurde erwartet, dass er sich in der Politik einbrachte. In Athen bestand beispielsweise die Chance in ein Amt gelost zu werden. Man stelle sich mal vor, wir würden heute den Stadtrat einfach auslosen! In Athen mit der wohl radikalsten Ausprägung von Demokratie war das aber möglich, weil jeder bereit sein musste, seinen Beitrag zum Staat zu leisten. Wer sich dann weigerte, war nicht besonders angesehen und blieb ein Privatmann, ein Idiot.

Das Wort hatte also auch in der Antike schon einen abwertenden Charakter. Es bezeichnete auch damals schon einfache, ungebildete Leute, v a. im Hinblick darauf, dass sie politisch untätig waren und nichts zur Verbesserung des Staates beizutragen hatten. Diese Bedeutung behielt das Wort, das zunächst als idiota ins Lateinische und dann als Idiot ins Deutsche übernommen wurde, bis heute bei.

Eine idiotische Sprache

Auch in der Sprachwissenschaft gab es einen ähnlichen Begriff nämlich den „Idiotismus“. Auch dabei ging es um Eigenarten (auch das bedeutet das Adjektiv ídios) bzw. um die vermeintliche Sprache „der einfachen Menschen“ meist in einem bestimmten Gebiet. Also im wesentlichen Dinge, die wir heute eher als „Dialekt“ bezeichnen würden. Wenn Rheinländer*innen ihr Federbett „Plumeau“ nennen, vergab man dafür früher die Bezeichnung „Idiotismus“, weil spätestens im Ruhrgebiet niemand mehr versteht, was das sein soll.

Der Begriff „Idiotismus“ wird heute nicht mehr so verwendet. Man spricht im Ganzen eher von einem Dialekt bzw. im Einzelnen von einem Idiom. Ist vielleicht auch besser so. Wir raten ohnehin dringend davon ab, Kölner Karnevalsbands zu sagen, ihre Texte seien idiotisch.

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