Talent – Fremdwort der Woche

Wer viele Talente besaß, war in der Antike vor allem eins: sehr reich. Denn das Talent, griech. tálanton (τάλαντον), war eine Gewichtseinheit für Edelmetalle und damit auch für Geld. Dass wir es heute weniger materiell verwenden, haben wir im Übrigen der Bibel zu verdanken.

Ursprünglich kam das Talent aus dem babylonischen Raum, was auch erklärt, warum es auch in der Bibel vorkommt. Aber auch in Griechenland setzte sich das Talent als Maßeinheit durch. Ein attisches Talent betrug ca. 26 Kilogramm. Da es sich hierbei, wie gesagt, um eine Gewichtseinheit (überwiegend für Silber) handelte, kann man davon ausgehen, dass man mit 26 Kilogramm Silber schon durchaus weit kam. Ein typisches Segelschiff in der Antike kostete z. B. ein Talent.

So kommt es, dass das Talent dann auch nicht mehr nur als Gewichtseinheit verwendet wurde, sondern auch wie eine Währungseinheit. Ein Talent entsprach in Athen 6000 Drachmen. Um das Jahr 400 v. Chr. kostete z. B. ein Ochse zwischen 50 und 100 Drachmen. Ein Talent war also wirklich viel Geld und wer Talente hatte, kam meistens ganz gut durchs Leben.

Menschen mit Talent in der Bibel

Dass wir ein Talent heute eher mit Begabungen und geistigen Fähigkeiten verbinden, hat mit einem Gleichnis im Neuen Testament zu tun.{1. Mt 25, 14-30 und Lk 19,12-27, beide leicht abweichend, bei Lukas wird z. B. nicht von „Talenten“ gesprochen, sondern von der kleineren Münzeinheit „Mine“.} Jesus erzählt, dass das Himmelreich wie ein Herr sei, der auf Reisen gehe. Bevor er abreist, ruft er drei Diener zu sich, denen er jeweils unterschiedlich viele Talente anvertraut: dem ersten fünf, dem zweiten zwei, dem dritten eines. Als der Herr zurückkommt, haben die beiden ersten Diener die Talente, also das ihnen anvertraute Vermögen, verdoppelt. Der dritte aber hat es vergraben, es also noch nicht einmal auf die Bank gebracht, wo er Zinsen dafür erhalten hätte. (Gute, alte Zeit damals.) Er gibt dem Herrn also genau das eine Talent zurück, das er erhalten hat. Er hat aus seinem Talent nichts gemacht.

Der Herr belohnt die ersten beiden Diener und ist wütend auf den dritten. Er nimmt ihm das Talent ab und gibt es dem ersten Diener. An dieser Stelle fällt auch der berühmte Satz „Wer hat, dem wird gegeben.“ Nur falls ihr auch schon mal wissen wolltet, wo der eigentlich herkommt.

Nutze dein Talent!

Die Interpretation des Gleichnisses ist es, die nun dafür sorgt, dass es hier nicht mehr nur um Geld geht, sondern auch um Fähigkeiten. Wie die drei Diener sind nicht alle Menschen von ihrem Herrn, also Gott, mit denselben Gaben (den „Talenten“ im Gleichnis) ausgestattet. Wer aber eine Gabe bzw. ein Talent hat, soll diese im Sinne Gottes nutzen und mehren. Wer sein Talent ungenutzt lässt, kann es verlieren.

Da es sich hier um ein Gleichnis über das Reich Gottes handelt und darüber, wie man dorthin gelangt, geht es natürlich nicht nur um Materielles, also das Talent in seinem ursprünglichen Sinn. Es geht darum, das zu nutzen, was Gott (der Herr) einem in die Wiege gelegt hat.

Über diesen Umweg kam das Talent mit der Bedeutung „Begabung“ auch ins Deutsche und viele andere europäische Sprachen. Und es hat dazu geführt, dass die Menschen mit den meisten Talenten heute nicht mehr zwangsläufig die wohlhabendsten sind.

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